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Einigkeit und Recht und Freiheit 20. Juni 2007

Posted by M@x in Fussball International.
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Nachdem in vielen Zeitungen und einigen Blogs momentan eine große WM 2006-Revival-Party gefeiert wird, möchte ich mich mit zumindest einem Post auch daran beteiligen. Es war schon eine geile Zeit, als plötzlich sämtliche Hemmschwellen hinsichtlich des deutschen Nationalgefühls überwunden wurden. Vorher wäre es unvorstellbar gewesen, eine Deutschlandflagge in den Garten zu hängen oder mit Flatter-Fahnen am Auto durch die Stadt zu cruisen. Während der vier WM-Wochen aber war ein Deutscher ohne Schal, Fahne oder zumindest schwarz-rot-goldener “Kriegsbemalung” fast schon ein Außenseiter. Umso lächerlicher muten im Nachhinein die Warnungen der “Experten” an, die während dieses aufkeimenden Nationalgefühls mit erhobenen Zeigefinger in der deutschen Geschichts-Wunde bohrten. Lächerlich deshalb, weil die Fahnen genauso schnell wieder verschwunden waren, wie sie aufgetaucht sind.

Trotz wenig euphorischer Vorbereitungszeit auf das Weltturnier war “Public Viewing” von der ersten Minute an ein geflügeltes Wort. Und dabei wäre Fussballschauen im Keller mit einem kühlen Bier sicher angebrachter gewesen als in den dichtgedrängten Menschenmengen auf den großen Plätzen der WM-Städte. Aber das gemeinsame Erleben der überwältigenden Atmosphäre, die letztendlich auch ausschlaggebend für den großen Erfolg der Klinsmann-Truppe war, ließ die große Hitze schnell vergessen. Vor genau einem Jahr, am 20. Juni 2006 wollte auch ich einmal “Public Viewing” erleben.

An diesem Tag spielte die deutsche Nationalmannschaft ihr drittes Vorrundenspiel in Berlin gegen Ecuador. Trotz der bereits erreichten Qualifikation für die Finalrunde wollte Klinsmann das Spiel unbedingt gewinnen, um den Gruppensieg zu sichern, und damit auch dem Duell gegen England aus dem Weg zu gehen. An den vorherigen WM-Tagen war der Leipziger Augustusplatz hoffnungslos überfüllt. Der eingezäunte Bereich mit der großen Leinwand vor der Oper ist laut Veranstalterangaben für 15.000 Besucher ausgelegt. Angesichts der frühen Anstoßzeit (16.00 Uhr) ging ich diesmal von einem geringeren Kapazitätenproblem aus als an den vorherigen Tagen. Doch bereits der Weg in die Innenstadt mit dem Fahrrad zeigte tausende fussballbegeisterte Menschen. Viele hatten sich im schattigen Clara-Zetkin-Park bei einer der Kneipen niedergelassen und schauten dort die Partie. Trotz aller Umstände war die Stadt überfüllt. Gerade noch rechtzeitig kamen wir an. Der Augustusplatz war bestimmt schon zu 75 % gefüllt, also bekamen wir einen Platz mit mäßiger Sicht auf die Leinwand. Nur wenige Minuten nachdem wir im eingezäunten Areal Einlass gefunden hatten, wurden die Pforten geschlossen. Allerdings standen auch außerhalb des offiziellen “Fan-Fests” noch tausende weitere Menschen. Es dürfte etwa eine halbe Stunde vor Anpfiff gewesen sein, auf der Bühne animierte noch MDR-Moderator René Kindermann die Menschen, als wir unsere Spielbeobachtungsposition eingenommen hatten. Diese war nicht wirklich bequem: In großer Entfernung zur Leinwand und mit leicht angehobenem Kopf, um einigermaßen über die Köpfe schauen zu können. Ich gebe es zu, ich gehöre zu den Menschen, die Dietmar Bär als “Sitzplatz-Kanake” bezeichnet. Um ein Fussballspiel richtig genießen zu können, muss ich sitzen. Ich sitze im Stadion, zu Hause vor der Couch. Das letzte mal, dass ich auf den Rängen stand, war in Grimma, weil deren Sitzplätze unverschämt hohe Eintrittspreise hatten.

Kurz vor vier Uhr am Nachmittag, die Teams laufen auf das Spielfeld. Ich war gespannt, was bei der Nationalhymne passiert. Selber hatte ich nicht vor, mitzusingen. Bei Spielen zu Hause sang ich nicht mit, und auch der Großteil der 15.000 versteckte seine musikalischen Talente. Außer einigen vereinzelten, die anscheinend besonders vom Nationalstolz erfasst waren, oder den jungen Kerlen neben mir, die sich mit “Deutschland, Deutschland über alles” etwas im Jahrhundert vertan hatten. Da offizieller Partner des Leipziger FanFestes der MDR war, wurden ARD-Bild und -Ton abgegriffen. Aufgrund der großen Distanz zur Leinwand und der schwachen Aussteuerung der Lautsprecheranlage war es aber nicht so schlimm, dass Reinhold Beckmann kommentierte. Das Spiel selber war nicht der große “Burner”, die Ausgangssituation für beide Teams war klar. Ecuador wollte zudem nicht richtig mitmachen, schonte Stammspieler für das Achtelfinale. So war es eine Frage der Zeit, bis Deutschland in Führung ging. Erstmals erweckte der bis dahin doch sehr ruhige Augustusplatz aus dem Schlaf. Im weiteren Spielverlauf verwaltete die Klinsmann-Elf das Spiel. In der zweiten Hälfte wurde mit dem Spiel auch die Stimmung auf dem Fan Fest besser. Vielleicht war es an diesem Tag einfach zu warm für mich, der Nestea zu teuer oder sonstwas. Fortan habe ich die WM lieber wieder aus unserem halbwegs kühlen Wohnzimmer verfolgt, wo ich nicht über 2 Stunden Arm an Arm mit anderen, schwitzenden Menschen stand.

Dennoch habe ich die Bilder von den “großen” Fanfesten in Berlin & München sehr gerne gesehen. Ich halte “Public Viewing” auch für eine absolut geeignete Methode, die UEFA bzw. FIFA zur Entspannung der Fan-Situation bei großen Turnieren anwenden kann. Bis auf Ausschreitungen in Frankfurt und Stuttgart mit Engländern ist mir trotz zahlreicher unterschiedlicher Kulturen kein großer Zwischenfall zu Ohren gekommen. Durch die Teilnahme von vielen Neulingen aus Entwicklungsländern (Elfenbeinküste, Togo), wo der Fussball-Boom gerade erst einsetzt, wollen immer mehr Leute Karten für die Spiele, die die Veranstalter aber nicht alle verwerten können. Da bieten die FanFeste mit öffentlichen Turnier-Partys eine gute Alternative.

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