Gastarbeiter-Statistik 25. Juni 2007
Posted by M@x in Bundesliga, Fussball International.trackback
Anhand der interessanten Transfermarkt-Website möchte ich heute ein durchaus wichtiges Thema in allen internationalen Ligen aufgreifen. Gerade die “großen” internationalen Ligen sind für einen hohen Ausländer-Anteil bekannt. Die Vereine in diesen Ländern haben die finanziellen Mittel, um Top-Stars aus allen Ländern zu verpflichten. Einerseits sorgen die “Gastarbeiter” für steigende Qualität, weil viele neue Einflüsse aus dem Ausland förderlich für das Niveau sind. Gerade die reichen Vereine Europas können sich annähernd ihre Wunsch-Mannschaften zusammenstellen. Auf der anderen Seite findet man auch überall einen großen Anteil, der eher dem Motto “Masse statt Klasse” zugehört.
In der Bundesliga sorgte Energie Cottbus vor einigen Jahren für Aufsehen, weil Trainer Eduard Geyer erstmals in der Liga-Geschichte elf ausländische Akteure in die Startaufstellung berufen hatte. Das war die Zeit, die ich etwa dem Zeitraum ab 2000 für fünf Jahre zuordnen würde, als eine riesige Flut an bestenfalls durchschnittlichen Spielern in die Bundesliga spülte. Es war genau in dem Zeitraum, als die deutsche Nationalmannschaft nach dem EM-Desaster große Nachwuchsprobleme hatte. Als die Trainer Ribbeck und Völler Spieler wie Paulo Roberto Rink aufstellten oder Lothar Matthäus reaktivierten. Aus meiner Sicht hatten wir in diesen Jahren die schlechtesten Nachwuchsjahrgänge, weshalb die Vereine im Ausland nach Alternativen sorgten. Aber die Entwicklung verläuft positiv: Immer mehr junge deutsche Spieler sind wieder Stammspieler in den Vereinen, und was die Neuzugänge aus dem Ausland ausgeht, war die Saison 2006/2007 in jeder Hinsicht auch ein großer Erfolg. Und auch die nächste Saison verspricht mit den bereits bekannten Namen wieder viel Qualitätszuwachs für die Bundesliga.
Aber wie sieht es jetzt genau aus mit dem Ausländer-Anteil in der Bundesliga. “Experten” sagten der deutschen Elite-Liga eine ähnliche Entwicklung wie den Basketballern und Eishockey-Spielern voraus, aber dieses Horrorszenario wird zumindest in absehbarer Zeit nicht eintreten. Und so sieht die Top5 der Rangliste aus:
- Premier League (England, 60.4 % Ausländer, 18 pro Verein)
- SuperLiga (Portugal, 54.3 % Ausländer, 13 pro Verein)
- Challenge League (Schweiz, 51.0 % Ausländer, 10 pro Verein)
- Bundesliga (Deutschland, 47.0 % Ausländer, 13 pro Verein)
- Super League (Schweiz, 45.6 %, 11 pro Verein)
Im Detail: Der Spitzenplatz der Premier League verwundert nicht. Momentan ist diese als stärkste Liga der Welt anerkannt. Alle Spitzenspieler reißen sich um Verträge auf der Insel. Hier gibt es die größten sportlichen Perspektiven, fanatische Fans, und natürlich das meiste Geld zu verdienen. Bereits nach wenigen Wochen Premier League wurde mir klar, dass dieser Wettbewerb durch die Legionäre bestimmt wird. Gerade Arsenal, hinsichtlich der Mannschaftaufstellungen das englische Cottbus, hatte teilweise überhaupt keinen englischen Spieler im Kader. Der hohe Anteil an Ausländern wirkt sich auch negativ auf die Nationalmannschaft aus – die durchwachsenen Leistungen der Engländer sind bekannt. In England sind auf jeder Position die absoluten Spitzenleute ausländische Spieler. Eine “typisch” englische Position gibt es nicht. Die deutsche Bundesliga wartet beispielsweise mit einer sehr hohen Anzahl deutscher Stammtorhüter auf. Die “Top5″ der Gastarbeiter in England: Irland (33), Frankreich (29), Schottland (19), Wales (18), Spanien (16).
Wenig überraschend auch der zweite Platz der portugiesischen Liga. Gerade für viele brasilianische Spieler ist Portugal durch die Ex-Kolonie-Verbindung ein wichtiges Sprungbrett nach Kontinentaleuropa. In Portugal können sich diese Spieler an das höhere europäische Spieltempo gewöhnen, ohne dabei auch sofort mit Sprachbarrieren konfrontiert zu werden. Ich vermute, der Anteil der Brasilianer (momentan 101) würde noch höher sein, wenn man alle eingebürgerten Spieler mitrechnet. Zwar bezieht sich die Transfermarkt-Statistik auf die 1. Nationalität, aber im Nationengewirr blickt mittlerweile keiner mehr durch.
Sehr überraschend für mich befinden sich gleich zwei schweizer Ligen in den Top5. Einmal die untere Spielklasse (Challenge League), andererseits die erste Liga (Super League). Mit Blick auf die Verteilung der Spieler wurde mir dann aber schlagartig einiges klar. Die vielen verschiedenen kulturellen Einflüsse, sowie die Sprachvielfalt bieten optimale Bedingungen für ausländische Spieler. Allerdings gibt es in der zweiten Liga eine ganz andere Aufteilung: Italien (32) vor Frankreich (20) und Brasilien (16). In der Super League dagegen spielen nur vier Italiener und zehn Franzosen. Dafür dominieren die Brasilianer mit 19 Akteuren vor Argentinien (11).
Bleibt also die Bundesliga. Große Quizfrage: Welches Land stellt die meisten Legionäre in die erste Liga ab? Die Antwort dürfte leicht sein. Es ist natürlich Brasilien, die 26 Spieler in Deutschland stationiert haben. Außerdem lässt sich der osteuropäische Touch nicht leugnen, mit Kroatien (15) sowie Polen und Tschechien (je 11) auf den Plätzen. Dänemark und die Schweiz (je 10) komplettieren die Top6. Auffällig: Der ganz große Teil der ausländischen Akteure kommt aus unseren Nachbarländern. Und das südamerikanische Talent-Scouting ist bei den Bundesligaclubs auch gut ausgebaut.
Ich denke, ein deutlicher Globalisierungstrend im Fussball lässt sich nicht verschweigen. Auch in der nächsten Spielzeit strömen wieder überwiegend ausländische Spieler als Neuzugänge in die Vereine. Die Fluktuation dieser Spieler ist sehr groß, weil sie eine andere Auffassung von Sesshaftigkeit haben. Aber ohne diese Spieler kann die Bundesliga nicht mehr leben: Jeder Verein ist auf seine ausländischen Torjäger, Abwehrbolzen oder Kreativspieler angewiesen.
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