Was machen denn die anderen Ostvereine? 6. September 2007
Posted by Moritz in Nordostfussball.add a comment
Vor etwas längerer Zeit hatten wir versprochen uns auch dem Nordostfußball etwas genauer zu widmen und aus diesem Grund einen etwas größeren Teil unseres Augenmerks auf die Vereine aus der Region zu legen. Da wir dies aber bis auf einige Ausnahmen aufs sträflichste unterlassen haben, soll heute nun ein erster Lagebericht zu allen sieben Vereinen der zweiten und dritten Liga erfolgen, nachdem es für die beiden führenden Vereine im Osten, Rostock und Cottbus, alles andere als rosig aussieht.
Anfangen möchte ich damit mit dem erfolgreichsten Verein aus unseren Heimatbundesland Sachsen. Erzgebirge Aue hat sich mit solider Arbeit schon einigermaßen in der zweiten Liga eingerichtet. Obwohl man damals als Saisonziel den Klassenerhalt ausgegeben hatte, steht man in einer sicherlich noch nicht allzu aussagekräftigen Tabelle auf dem fünften Platz. Nach einem etwas holprigen Saisonstart und den Ausscheiden aus dem DFB-Pokal im Elfmeterschießen, schien sich die sieglose Serie aus der vorherigen Saison erst einmal fortzusetzen. Doch der deutliche Sieg vor zwei Spieltagen gegen Wehen schien so etwas wie eine Initialzündung zu bedeuten. Man erzielte in der Schlussphase innerhalb von sechs Minuten drei Tore und gewann damit deutlich. So konnte dann auch am letzten Spieltag der nun schon fast ein Jahr dauernde Auswärtsfluch, wenn auch mühevoll, zumindest beendet werden und man brachte aus Paderborn drei Punkte mit nach Hause. Wenn man den Formanstieg weiter verfolgen kann und ihn auch in den nächsten Spielen in Punkte umsetzt, wird man sicher nicht allzu viel mit dem Abstieg zu tun haben.
Der zweite dem NOFV angehörende Zweitligist, der FC Carl Zeiss Jena ist dagegen überhaupt nicht gut in die neue Saison gestartet. Nach einem Fotofinish zum Ende der letzten Saison, das sicher einige graue Haare mehr bei den Jenaer Fans verursacht hat, konnte man schon erwarten, dass der Verein wieder gegen den Abstieg spielt. Dabei begann die Saison eigentlich gut als man gegen Bundesligaabsteiger Aachen in einem Kraftakt noch einen Punkt holte. Dabei blieb es bis jetzt allerdings auch. Gegen St. Pauli reichte es trotz guter Ansätze nicht um einen Punkte daheim zu behalten und in Köln verlor man die drei Punkte trotz eines Zwei-Tore-Vorsprungs noch in der Schlussviertelstunde, als man regelrecht einbrach und Köln regelrecht gewähren ließ. So hängt man jetzt bereits schon wieder im Tabellenkeller. Man muss nun in den nächsten Spielen nach der Länderspielpause aufpassen, dass man die teils unglücklichen Spiele verarbeitet hat und nicht zu den Nichtabstiegsplätzen abreißen lässt. In diese Situation knallte wie ein Paukenschlag dann gestern die Meldung, dass die „Alpha Group Invest Corporation“, ein russisches Unternehmen, bei den Thüringern als Investor einsteigt. Für ihr Engagement erhalten sie 49 % an der Spielbetriebs GmbH des Vereins. Im Gegenzug werden sie in den nächsten Jahren mindestens 20 Millionen Euro investieren. Der Jenaer Präsident wähnt sich bereit „wie im Märchen“ angesichts dieser Summe. Damit stößt Jena sicherlich in neue Dimensionen vor, allerdings sind die Ambitionen der Russen bisher unklar und man sollte auch aufpassen, dass man sich jetzt nicht verspekuliert und somit den Verein zu Grunde richtet. Im Moment sollte man sich daher auch eher auf die sportliche Situation konzentieren, da viel Geld, wenn es auch nicht unerwünscht oder gar fehl am Platze ist, nicht unbedingt Wunder bewirken muss.
Nach den Zweiligisten geht es nun weiter zu den Regionalligisten, die diese Saison alle besonders unter Strom stehen werden, da ihre Liga bekanntermaßen in die letzte Saison geht und alle über dem diesmal sehr weit oben liegenden Abstiegsstrich landen wollen. Union Berlin ging vor der Saison für das Erreichen dieses Ziels ein hohes Risiko ein. Fast drei Viertel des Etats werden für Spielergehälter ausgegeben. Um das zu realisieren wurden aus der Geschäftsstelle sogar Mitarbeiter entlassen. Im Moment scheint das Konzept aufzugehen, da man nach dem siebten Spieltag mit einer ausgeglichenen Bilanz auf dem siebten Platz steht. Allerdings ist das Feld noch sehr eng aneinander gedrängt, wenn jedoch alles so weiter läuft wie bisher dürfte ein Platz unter den Top 10 kein allzu großes Problem darstellen.
Mit Rot-Weiß Erfurt gab es auch einen Ostverein der diese Saison bereits einmal auf einem Aufstiegsplatz befand und sich im Moment in ihrer Nähe befindet. Trotzdem meidet man in Erfurt Angesichts der jungen Saison das Wort Aufstieg noch, was sicher durchaus seine Berechtigung hat, um nicht zu viel Druck auf die Mannschaft aufzubauen. Dabei spielen die Rot-Weißen einen ansehnlichen Fußball und entwickeln viel Offensivdrang. Das beste Beispiel dafür ist sicher der Saisonauftakt in der man innerhalb von acht Minuten einen 0:2-Rückstand in ein 3:2 verwandelte und am Ende sogar das halbe dutzend vollmachen konnte. Bis jetzt ist man ungeschlagen, musste aber zuletzt zwei Unentschieden hinnehmen und den Abstand zu den Aufstiegsplätzen größer werden lassen, allerdings auch da man zuletzt spielfrei hatte. In dieser Form wird die Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev sicher keine Probleme mit der Qualifikation zur 3. Bundesliga haben und möglicherweise noch lange um den Aufstieg mitspielen können, auch wenn dies nicht das primäre Ziel sein sollte.
Auch der eben erst aufgestiegene SV Babelsberg 03 sieht die Regionalliga nur als Durchgangsstation zu dritten Profiliga. Nach dem souveränen Aufstieg hat man allerdings nur einen recht kleinen Etat von 1,6 Millionen Euro, die keine großen Sprünge zu lassen. Man hat aber aus der Vergangenheit mit einer Fast-Insolvenz im Jahr 2003 gelernt und will sich daher nicht auf das Vabanquespiel einlassen, wie es der Regionalkonkurrent aus Berlin betreibt. Bisher fährt man damit auch ganz erfolgreich, da man bisher erst eine Niederlage kassiert hat und seit vier Spielen ungeschlagen seinen Weg geht. Insgesamt steht man damit auf einem guten neunten Platz und hat gute Aussichten auf den angestrebten „Durchmarsch“ und darauf sich am Ende in der ersten Hälfte der Tabelle wiederzufinden.
Ganz andere Möglichkeiten hat da sicherlich Dynamo Dresden. Doch in der aktuellen Saison offenbaren sich ungeahnte Offensivschwächen. Man schoss erst drei Tore in den bisherigen sechs spielen. Dabei wurden diese drei nur von einem einzigen Stürmer erzielt, was nicht unbedingt für die Kreativabteilung bzw. die Offensivkräfte und Chancenverwertung spricht. Im Prinzip darf sich der Verein glücklich schätzen das die Hintermannschaft im Gegenzug auch nur drei Gegentreffer zuließ und somit in absolut minimalistischer Manier mit jeweils zwei Siegen, Niederlagen und unentschieden auf dem 12. Platz liegt. Angesichts des jetzt schon angespannten finanziellen Spielraumes wäre ein Abstieg in die dann vierte Liga eine Katastrophe. Deshalb wird Trainer Norbert Meier die Torlaune seiner Spieler, die sonst recht ordentlich spielten, wieder wecken müssen, sonst könnte er trotz des Wohlwollens des Vereins schnell das unruhige Umfeld gegen sich aufbringen. Trotzdem hat man den Anschluss noch nicht verloren und kann bei einer Formsteigerung durchaus weiter oben mitspielen als es die aktuelle Tabellensituation wiederspiegelt.
Der 1. FC Magdeburg hatte als Fast-Aufsteiger des letzten Jahres zu Saisonbeginn noch einige Schwierigkeiten. Allerdings fing man sich recht schnell wieder und fuhr gegen Dynamo Dresden den ersten Sieg ein, dem dann noch zwei weitere folgten. So befindet man sich im Moment auf dem fünften Tabellenplatz und hat durchaus gute Sicht auf die Aufstiegsränge und scheint mit dem jüngsten 3:0-Sieg gegen Lübeck auch die Sturmprobleme abgelegt zu haben, die sich bisher angedeutet hatten, als man in fünf Spielen nur drei mal traf, da die beiden Stürmer der vergangenen Saison den Verein verlassen hatten. So ist nach der vergangenen Überraschungssaison aber sicher ein Platz unter den ersten zehn möglich.
Das soll es auch erst einmal mit dem Überblick gewesen sein. Wir werden die Entwicklung der Vereine natürlich weiter im Auge behalten und auch darüber berichten. Morgen wird Max dann anlässlich des Länderspiels auf das selbige vorausschauen. In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Donnerstag und Wochenausklang.