Almaenaidd pêldroed tîm yn Stadiwm y Mileniwm 7. September 2007
Posted by M@x in EM 2008.1 comment so far
Wenn der spanische Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez am Samstag um 20.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit die Begegnung der deutschen Nationalmannschaft im „Millennium Stadium“ zu Cardiff gegen Wales anpfeift, rücken die unangenehmen Diskussionen um Torwart Jens Lehmann, seinem Möchtegern-Wiedersacher Tim Wiese sowie dem immer noch verletzten Kapitän Michael Ballack für 90 Minuten in den Hintergrund. Doch die Tage zuvor waren sowohl für die Beteiligten, als auch für Bundestrainer Joachim Löw mit viel Diskussionsstoff angeheizt worden, sodass die neue Frisur von Bastian Schweinsteiger zur Nebensache geraten ist.
Völlig unnötig kam in den vergangenen Tagen Bewegung in die Torhüterfrage. Seit der Diskreditierung von Oliver Kahn vor der Weltmeisterschaft 2006 war Jens Lehmann unangefochtener Stammtorhüter der deutschen Nationalmannschaft. Seine Leistungen sowohl im DFB-Trikot als auch beim FC Arsenal ließen keinen Zweifel an der gerechtfertigten Nominierung von Lehmann als Nummer 1. Doch zwei schwere Patzer zum Saisonauftakt und seine Verletzung im Spiel gegen England vor zweieinhalb Wochen waren für die Medien Anlass genug, wieder einmal die leidige „T-Frage“ in den Vordergrund zu rücken. Plötzlich wurde Lehmann in Frage gestellt für das Wales-Spiel, weil er seit dem letzten Länderspiel kein Pflichtspiel mehr absolviert hatte. Dazu tropfte die englische Gutter Press unnötig Öl ins Feuer, kolportierte einen Wechsel im Arsenal-Tor, wo Manuel Almunia zuletzt fehlerlos agierte, sowie einen Wechsel von Lehmann vor Ablauf der Transferperiode. Fakt ist: Lehmann ist rechtzeitig fit geworden und spielt morgen gegen Wales. In der darauf folgenden Woche wird er wohl im London-Derby gegen die Tottenham Hotspur wohl auch wieder das Arsenal-Tor hüten. Aber wenn Lehmanns Verletzung nur das einzige Problem gewesen wäre: Werder Bremens Goalie Tim Wiese meldete sich zu Wort und beschwerte sich lauthals über seine Nichtberücksichtigung für die Nationalmannschaft. Der Hintergrund: Neben Lehmann, mittlerweile schon 37 Jahre alt, sitzt Timo Hildebrand auf der Bank, doch „Hilde“ steht in Valencia vor einer schwierigen Saison mit wenig Spielpraxis. Dass sich daraus ein Problem ergeben könnte, deutete Löw vor kurzem an. Wenn Hildebrand in Valencia dauerhaft nur Bankwärmer ist, wird er wohl vor der Europameisterschaft aus dem Kader fliegen, und Robert Enke stattdessen seinen Platz als Nummer 2 einnehmen. Bleibt also die Frage nach dem neuen dritten Torwart. Erster Kandidat ist da wohl Manuel Neuer, der zum DFB-Fitness-Test eingeladen wurde. Und darüber beklagte sich Wiese, der sich wohl als legitimen Nachrücker gesehen hat. Löw beurteilte die Äußerungen von Wiese als „abschätzig und respektlos“. Der Nationalmannschafts-Zug dürfte für Wiese damit wohl abgefahren sein, zumindest in der Ära Löw. Zuzuschreiben hat sich der Bremer das nicht zuletzt selber, stellte er doch einmal mehr seinen Hang zur Dramatik und seinen Ruf als schwieriger Charakter unter Beweis – wobei seine sportliche Klasse natürlich unbestritten ist. Meiner Meinung nach wird sich in der Torhüterfrage ohnehin bis zur Europameisterschaft nichts mehr ändern. Hildebrand wird seine Einsätze in Valencia bekommen, hütete zuletzt am Montag in der Champions League-Quali in Athen den Kasten der Spanier, und Enke bleibt dritter Mann im Bunde. Sollte es doch einmal eine Position neu zu besetzen geben, ist Manuel Neuer erster Nachrücker.
Ungeahnte Probleme ergeben sich für Joachim Löw in der Abwehr. Rechtsverteidiger Philipp Lahm verletzte sich gestern im Training und reiste schon wieder in die bayrische Landeshauptstadt. Damit wird wohl wiederum Arne Friedrich, wie schon gegen England, auf der rechten Seite verteidigen. Damit geht dem deutschen Team wichtiges Kreativ-Element verloren. Die Stärker von Friedrich liegen fast ausschließlich in der Defensive, offensive Akzente wie Lahm vermag der Berliner nicht zu setzen. In der Abwehrzentrale bildet das deutsche Vorzeige-Manndecker-Duo Mertesacker/Metzelder wieder ein hoffentlich stabiles Bollwerk. Auf der linken Seite kommt wohl Christian Pander zu seinem zweiten Einsatz. Nach den zuletzt starken Leistungen im Verein und seinem Traumtor gegen England bleibt Löw keine andere Wahl, als auf Pander zu setzen. Dieser aber muss sich in der Defensivarbeit steigern, darf den talentierten 18-jährigen Gareth Bale nicht soviel Platz bieten wie im Wembley Micah Richards. Trotzdem ist Pander vorerst gesetzt, Joachim Löw vertraut der Viererkette aus der England-Partie und Bayern-Spieler Marcell Jansen bleibt wohl nur die Ersatzbank.
Eine Chance könnte sich für Jansen jedoch im Mittelfeld bieten. Da er zuletzt vermehrt in die Offensive drängte, ist unter Umständen die linke Mittelfeldposition eine Alternative. Ich habe jedoch den Eindruck, dass Löw dort lieber Spielern vertraut, die mehr Zug in die zentralen Positionen entwickeln und stattdessen auf Vorstöße der Außenverteidiger setzt. Deshalb wird wohl wieder Thomas Hitzlsperger von Beginn auflaufen. Eine wichtige Rolle kommt Bastian Schweinsteiger zu, der quasi als offensiver ausgerichteter Ballack-Ersatz die Fäden im Mittelfeld ziehen soll. Wenn „Schweini“ seine zuletzt gute Form bieten kann, sollte das kein Problem werden. Wichtig ist, wie er mit Simon Rolfes harmoniert, der im defensiven Mittelfeld Torsten Frings ersetzt. Ebenfalls ersetzt wird Bernd Schneider, der wegen einer Gelbsperre fehlt, von Piotr Trochowski. Von der Zusammenarbeit dieses neu formierten Mittelfeldes hängt viel ab, doch Trochowski, Rolfes und Hitzlsperger werden heiß sein, ihre Chancen in Abwesenheit der etablierten Spieler zu nutzen.
Mit Bestbesetzung geht nur der Sturm in die Partie. Kevin Kuranyi und Miroslav Klose werden das Duo in vorderster Front bilden, auf der Bank sitzen mit Mario Gomez, Patrick Helmes und Lukas Podolski hochkarätige Alternativen. Nein, es gab wahrlich schon schlechtere Zeiten für Nationaltrainer in der Auswahl ihrer Torjäger.
Damit zu einem aktuellen Reizthema: Michael Ballack glänzt mit Abwesenheit und ist trotzdem sehr präsent. Für Verwirrung sorgte die Entscheidung des FC Chelsea, den Kapitän der Nationalmannschaft nicht für die Champions League-Gruppenphase zu nominieren. Dazu kommen zwiespältige und unterschiedliche Angaben zum Heilungsverlauf seiner Verletzung, an der er seit April laboriert. Chelsea-Doc English meint, Ballack könnte wohl die gesamte Vorrunde ausfallen, womit er für die gesamte Gruppenphase ausfällt. Ballack selber hofft genauso wie die DFB-Ärzte auf eine Rückkehr bereits im Oktober, aber spätestens im November für die entscheidenden Qualifikationsspiele. Zum Thema ein interessanter Kommentar von Tony Woodcock, ehemaliger Profi beim 1. FC Köln. Ich selber halte Chelseas Entscheidung für sehr fragwürdig. Damit raubt man Ballack Motivation für eine schnelle Genesung, langsam kommen mir Zweifel ob Chelsea überhaupt daran interessiert ist, so schnell wie möglich wieder auf Ballack zurückgreifen zu können. Es ist jedenfalls ein trauriger Fall, wie wenig dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft der Rücken gestärkt wird. Aber eine vielfach falsch gemachte Aussage muss ich hier wiederlegen: Der FC Chelsea hat zwar nur 23 von 25 möglichen Spielern nominiert, musste die zwei Plätze aber frei lassen, da sie mit John Terry nur einen lokal ausgebildeten Spieler (Local Player) statt der vorgeschriebenen Drei im Kader hat.
Der Sieg des DFB-Teams gegen den 74. der Weltrangliste sollte mit dem Selbstvertrauen der letzten Spiele eigentlich kein Problem werden. Doch auf dem Platz zählen dann keine Ranglisten mehr, sondern nur die sportliche Leistung. Mit nur sieben Punkten aus sechs Spielen ist der EM-Zug für das Team von Coach John Toshack schon abgefahren, zu wechselhaft waren die Leistungen. Einer knappen 1:2-Niederlage in Tschechien folgte die 1:5-Klatsche zu Hause gegen die Slowakei. Anschließende Siege gegen Zypern und San Marino brachten die ersten Punkte. Vor der Sommerpause gelang mit dem 0:0 gegen die Tschechen aber der große Überraschungscoup. Die deutsche Mannschaft darf den Gegner keinesfalls unterschätzen! Prominentester Waliser ist nach dem Rücktritt von ManU-Legende und Ex-Kapitän Ryan Giggs Stürmer Craig Bellamy. Der exzentrische Spieler war zuletzt beim FC Liverpool mit dem Benitez’schen Rotationsprinzip, wo er regelmäßig mit Peter Crouch und Dirk Kuyt Stammplatz und Ersatzbank tauschte, unzufrieden. Jetzt ist er Stammspieler und Torjäger bei West Ham United. Ansonsten liegt das Augenmerk auf dem 18-jährigen Talent Gareth Bale von Tottenham Hotspur, der zusammen mit dem 19-jährigen Lewin Nyatanga die defensive Flügelzange bildet. Neben Bellamy spielt im Sturm Freddy Eastwood von den Wolverhampton Wanderers, der im letzten Testspiel gegen Bulgarien sein Debüt gab und prompt den 1:0-Siegtreffer erzielte. Dass Eastwoods Sturmkollege Bellamy nicht ganz ausgeschlafen ist, ist anzunehmen: Craig verpasste die Trainingssitzungen, weil seine Freundin am Montag seine Tochter zur Welt brachte (Quelle: BBC). Doch gegen Deutschland wird er auflaufen, im Gegensatz zu Stürmer Daniel Nardello und Verteidiger Steve Evans, die mit Rücken- bzw. Knöchelproblemen ausfallen.
Dann noch zur Auflösung der Überschrift. „Almaenaidd pêldroed tîm yn Stadiwm y Mileniwm“ heißt nichts weiter als „Deutsche Fussball-Mannschaft im Millennium-Stadium“. Nein, ich entwickle mich jetzt nicht zum Experte für exotische Sprachen, doch als ich im Rahmen eines Referates über Wales im letzten Herbst mich mit der walisischen Sprache näher beschäftigte, bin ich auf diese „Learn Welsh“-Seite gestoßen. Morgen gibt es hier eine kleine Blog-Pause, damit alle Leser den Länderspieltag in Ruhe genießen können. Die Analyse inklusve der knallharten Benotung gibt es am Sonntag. Bis dahin, ein angenehmes Wochenende!