Doppelter Klose sichert Pflichtsieg 9. September 2007
Posted by M@x in EM 2008.add a comment
Es war ein Sieg ohne großen Glanz, doch den brauchte es im nicht einmal halb besetzten „Millennium Stadium“ auch nicht. Gegen erschreckend schwache Waliser schreitet die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit Riesenschritten zur Europameisterschafts-Endrunde in einem Dreivierteljahr in Österreich und der Schweiz. Nach dem Spiel ist Qualifikation eigentlich nur Formsache, schon mit einem Sieg im nächsten Qualifikationsspiel kann die Sache perfekt gemacht werden, also auch noch vor den drei ausstehenden Heimspielen zum Abschluss. Die Partie in Wales war geprägt von der fatalen Harmlosigkeit der Waliser, bei denen nicht nur der zurückgetretene Ryan Giggs, sondern auch Stürmer Craig Bellamy kurzfristig ausfiel. Diesen Substanzverlust konnte das Team von John Toshack nicht kompensieren und konnte am Ende froh sein, dass die deutsche Mannschaft bereits früh ihr eigenes Angriffsspiel auf Sparflamme reduzierte. Im zweiten Durchgang wirkte es teilweise wie eine Partie Tischfussball, bei der Löw und Toshack die Stangen drehten, aber noch einige Übung nötig hätten. Die quicklebendigen Akteure müssen sich trotz der gewonnenen drei Punkte auch heute einer knallharten Analyse unterziehen:
Nicht undankbar dürfte Torwart Jens Lehmann gewesen sein, von den Walisern überhaupt nicht gefordert worden zu sein. Selbst die ähnlich harmlosen Mannschaften aus San Marino und der Slowakei haben gegen Deutschland mehr Torchancen herausgespielt. Noch schlimmer: Ich kann mich an keine einzige walisische Torchance erinnern. Somit hatte Jens Lehmann Zeit, seine schmerzende Ellenbogenverletzung auszukurieren. Und das neunzig Minuten lang. Note: 3
Aufgrund von Philipp Lahms Ausfall spielte die eingeübte Abwehr aus dem England-Spiel. Rechtsverteidiger Arne Friedrich war wiederum nicht in der Lage, die Dynamik von Lahm zumindest in Ansätzen auch zu besitzen. Friedrich entwickelt sich wohl immer mehr zum klassischen Innenverteidiger. Die rechte Seite war auch im Zusammenspiel mit Hilbert ein Totalausfall. Zumindest defensiv kann man dem Berliner außer einem haarsträubenden Fehlpass gleich zum Spielauftakt nichts anlasten. Mit gewohnter Ruhe und Lässigkeit verrichtete unsere weltmeisterliche Innenverteidigung ihren Job. Auch wenn sie bei weitem nicht so gefordert waren wie in den letzten Spielen, zeichneten sich sowohl Per Mertesacker als auch Christoph Metzelder durch ihr hervorragendes Stellungsspiel aus. Die ganz wenigen zärtlichen Vorstöße der Gastgeber wurden – wenn nicht schon von Hitzlsperger – von einem der beiden Manndecker abgefangen. Es bleibt mir nur immer wieder die Möglichkeit, dieses souveräne Duo zu loben. Etwas aus dem Rahmen viel diesmal Christian Pander. Der Schalker durfte gleich zum zweiten Mal von Beginn spielen, nutzte seine Chance aber nicht so wie gegen die Engländer, als er mit einem Traumtor glänzte. Wie bereits im Wembley offenbarte Pander Schwächen in der Defensivarbeit, hatte aber Glück, dass seine Gegenspieler von der Gefahr eines Micah Richards weit entfernt sind. Auch offensiv klappte die Zusammenarbeit mit Marcell Jansen nicht. Zur Halbzeit wurde Pander berechtigterweise ausgewechselt. Note: Mertesacker, Metzelder 2 // Friedrich 3 // Pander 4
Nach dem erzwungenen Experiment „Fünfer-Mittelfeld“ kehrte Joachim Löw zur Viererformation zurück. Diese spielten aber nicht auf einer Linie, sondern mit der auch in der Bundesliga sehr beliebten „Raute“. Erneut testete Löw auf der defensiven Mittelfeldposition eine neue Variante. Nach dem Lahm in London den „Sechser“ gab, war es diesmal Thomas Hitzlsperger. Der Stuttgarter interpretierte diese Rolle hervorragend, verrichtete viel Laufarbeit, suchte entschlossen die Zweikämpfe und fing viele Bälle ab. In dieser Form ist „The Hammer“ eine echte Alternative zum verletzten Torsten Frings. Einziges Manko: Durch diese defensive Ausrichtung geht Hitzlsperger seine Torgefahr verloren. Ein Spiel zum Vergessen absolvierte Marcell Jansen. Etwas überraschend und anders als zuvor gedacht spielte der Münchener erstmals seit dem ersten Bundesliga-Spieltag wieder, doch die fehlende Praxis war ihm anzumerken. Hektisch und teilweise unkonzentriert wirkte Jansen wie ein Fremdkörper auf der linken Seite, zog damit auch Christian Pander runter. Seit er im Frühjahr bei Mönchengladbach offensiver aufgestellt wurde, geht ihm viel von seiner zuvor viel gelobten Stabilität ab. Vielleicht kommt das zurück, wenn er wieder richtig fit ist. Ganz anders dagegen die Leistung von seinem Münchener Teamkollegen Bastian Schweinsteiger, der sich auf offensiver Position wohl fühlte. Im ZDF wurde seine Rolle als Ballack-Ersatz interpretiert, doch mir gefiel „Schweini“ in dieser Ausrichtung besser als der zumeist defensiv gebundene Ballack. Wenn er diese Form konservieren kann, bietet es sich an, noch öfter die Formation mit einer klassischen Spielmacherposition auszuprobieren. Nicht geeignet ist dafür eher Roberto Hilbert. Etwas überraschend erhielt der Stuttgarter den Vorzug vor Trochowski. Hilbert flankte zwar auf Klose vor dem zweiten Treffer, doch von seinen Leistungen der Meistersaison ist er noch ein gutes Stück entfernt. Da sowohl Schweinsteiger als auch Hitzlsperger, aber ebenso Hilbert den Weg in die Mitte suchen, war die Zentrale etwas zu voll für Hilbert’sche Spielkultur. Das Beackern der rechten Seite, auch im Zusammenspiel mit Friedrich funktionierte wenig bis gar nicht. Note: Schweinsteiger, Hitzlsperger 2 // Hilbert 4 // Jansen 5
Im Sturm ist wohl die Aufstellung Kuranyi/Klose momentan die Zauberformel. Einer von Beiden ist immer für ein und mehr Tore gut, wie gestern Miroslav Klose. Der unangenehme Abschied aus Bremen scheint Miro endlich verdaut zu haben und bringt nach dem positiven Saisonstart in München auch wieder im Nationalteam seine Tore. Dabei zeigte sich der Mann des Tages wie in guten, alten Zeiten: Jederzeit anspielbereit, als Wühler an der Strafraumgrenze, der seine Gegner ständig beschäftigte. Logisch, dass zwei Tore der verdiente Lohn waren. Die Rolle des Matchwinners gehörte zuletzt Kevin Kuranyi. Doch der spielte dieses mal etwas zurückhaltend im Schatten von Klose, aber glänzte mit einem Super-Pass vor dem frühen Führungstreffer. Im weiteren Spielverlauf weiter bemüht, aber nicht immer glücklich. Note: Klose 1 // Kuranyi 3
Vor einigen Jahren wären wir über eine solche Leistung in Wales froh gewesen, mittlerweile mischten sich sogar einige kritische Stimmen unter die Berichterstatter. Zu lasch soll das deutsche Team nach der frühen Führung gespielt haben. Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich aber „sehr zufrieden mit dem Ergebnis“ und sieht es wohl ähnlich wie ich: Man darf in Anbetracht der erfolgreichen letzten 12 Monate nicht den Fehler machen, gegen jeden Gegner jenseits der 20. Position in der Weltrangliste ein Schützenfest zu fordern. Dazu muss bedacht werden: Für die meisten Nationalspieler beginnen jetzt die „Englischen Wochen“ mit Spielen im Drei-Tages-Rhythmus, dazu sind viele Spieler verletzt oder haben angeschlagen gespielt. Es muss nicht immer Zauberfussball sein. Es war doch eine überzeugende Leistung gegen einen schwachen Gegner! Notenschnitt: 2,82
Am Mittwoch gegen Rumänien in Köln wird es wohl eine Lite-Version des Spaß-Spiels Ende März gegen Dänemark geben. Löw kündigte bereits an, einige Spieler zu schonen, nannte im ZDF-Interview explizit Mertesacker, der bereits am Freitag wieder mit Bremen spielen wird. Außerdem wird Robert Enke von Beginn an auflaufen. Nicht dabei ist außerdem Mario Gomez, der wegen eines fiebrigen Effektes außer Gefecht ist (Quelle). Am Donnerstag wird es dann eine Analyse des Freundschaftsspiels geben. Abschließend wünsche ich einen angenehmen Start in die neue Woche!