Rundflug durch Europa 12. September 2007
Posted by M@x in EM 2008.add a comment
Nach dem Erfolg gegen Wales absolviert die Nationalmannschaft heute in Köln das vorerst letzte Freundschaftsspiel im Kalenderjahr 2007. Gegen Rumänien wird Joachim Löw wohl wieder ein wenig experimentieren, allerdings bei weitem nicht so extrem wie im März gegen Dänemark. Doch die sich anbahnenden Personaländerungen sind ganz interessant: Im Tor wird nicht, wie am Sonntag noch berichtet, Robert Enke stehen, sondern Timo Hildebrandt, wie Löw gestern auf der Pressekonferenz bestätigte. Ebenfalls verzichten muss der Bundestrainer auf Mario Gomez, der mit einer Grippe direkt aus Wales nach Stuttgart gereist ist. Deshalb lässt sich Löw vom Spielort Köln inspirieren und bringt mit Helmes und Podolski aller Voraussicht nach zwei Kölner Jungs. Bereits direkt nach dem Samstag-Spiel hatte er außerdem angekündigt, Per Mertesacker zu schonen, der bereits in zwei Tagen wieder mit Werder Bremen in Dortmund spielen muss. Mangels weiterer Alternativen wird Manuel Friedrich seinen Platz einnehmen. Ebenfalls draußen bleiben wird Christian Pander – nach seiner schwachen Vorstellung im Qualifikationsmatch. Dafür rückt Jansen nach links hinten, Bernd Schneider und Simon Rolfes rücken für Pander bzw. Hilbert in die Startformation. Bei Gegner Rumänien wird Keeper Bogdan Lobont ausfallen, dafür spielt Sergiu Radu von Beginn, ebenso der mittlerweile 39-jährige Ex-Bundesligaprofi Dorinel Munteanu. Vor den anstehenden entscheidenden Qualifikationsspielen im Oktober und November ist dieser Test gegen den Tabellenführer der Gruppe G eine letzte Möglichkeit, nochmal zu experimentieren.
Von diesem Spiel gibt es morgen in gewohnter Form die Analyse. Doch heute werden auch in ganz Europa wieder Pflichtspiele ausgetragen. Während Deutschland und Rumänien spielfrei haben und sich stattdessen mit einem Freundschaftsspiel vergnügen, geht es für viele Teams um wichtige Punkte im Kampf um das EM-Ticket. Deshalb gibt es hier den Blick über die sieben Qualifikationsgruppen:
In der Gruppe A bahnt sich ein packender Vierkampf an. Tabellenführer Polen und Verfolger Finnland treffen heute im direkten Duell in Helsinki aufeinander. Der Sieger dieser Begegnung macht einen riesengroßen Schritt Richtung Europameisterschaft. Ein weiteres entscheidendes Spiel ist die Partie Portugal-Serbien. Die Mannschaften haben momentan zwei bzw. drei Zähler Rückstand auf Platz 2, der zur Qualifikation berechtigt, sind aber auch noch ein Spiel im Rückstand. Dennoch: Wer hier verliert, wird sich wohl für den nächsten Juni schon den Sommerurlaub buchen können. Die Partie der Belgier in Kasachstan hat nur noch statistische Bedeutung.
Packend geht es in der Gruppe B zu. Weltmeister Italien und Vize Frankreich rangeln mit Schottland um die EM-Tickets. Dabei hoffen die Italiener darauf, dass beim Frankreich-Schottland einer der beiden Parteien, vorzugsweise die Schotten, den Anschluss verlieren, während die Blauen das Spiel in der Ukraine gewinnen sollten. Doch die Leistungen der Italiener sind zu durchwachsen, als das man sicher von einem Dreier in Kiew ausgehen kann. Verlieren die Italiener dieses Spiel, wäre das ein fataler Rückschlag. Etwas überraschend haben die Ukrainer in dieser starken Gruppe schon den Anschluss verloren. Doch sie sind ein Spiel im Rückstand, könnten also mit einem Sieg gegen Italien ihre letzte Chance wahren.
Nach der verpatzten WM-Qualifikation führt Titelverteidiger Griechenland die Gruppe C an. Mit sechs Siegen und nur einer Niederlage bisher haben sie vier Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten Türkei sowie ein Spiel Vorsprung auf den direkten Verfolger Norwegen. Mit einem Sieg in Norwegen kann Otto Rehagels Team einen großen Schritt Richtung Alpen machen. Die Gastgeber aber selber müssen auch punkten, um ihre Chancen gegenüber der Türkei zu wahren. Diese wiederum müssen in Istanbul gegen Ungarn spielen, eine unangenehme aber lösbare Pflicht-Aufgabe. Höchstens noch mit Außenseiterchancen spielt Bosnien-Herzegowina gegen Moldawien. Der Rückstand der Osteuropäer auf Norwegen beträgt momentan drei Zähler.
Gruppe D wird dominiert von Deutschland. Mit einem Sieg gegen Irland im Oktober wäre die Qualifikation bereits perfekt. Hinter der DFB-Auswahl rangeln sich heute Tschechien und Irland um das zweite Ticket. Mit einem Sieg würden die Iren zwar punktemäßig mit dem Zweitplatzierten Tschechien gleichziehen, aber wegen der deutlich schlechteren Tordifferenz immer noch nicht aufschließen. Überraschend kann die Slowakei nach der guten WM-Quali nicht mithalten: Bereits sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Tschechien, selbst bei einem Heimsieg heute gegen Wales dürfte die kleine Chance nur noch auf dem Papier existieren.
Mit der Niederlage in England hat Israel den Anschluss in Gruppe E verloren. Die Mannschaft aus dem Nahen Osten hat heute spielfrei und muss zusehen, wie die Konkurrenz davon zieht. Tabellenführer Kroatien muss zur Pflichtaufgabe in Andorra antreten, kann mit einem Sieg eine Vorentscheidung schaffen. Spannend wird es beim Duell England gegen Russland. Mit einem Sieg würden die „Three Lions“ entgegen der Günther-Netzer-Experten-Meinung den Sprung auf einen Qualifikationsplatz schaffen und die Russen vom zweiten Platz verdrängen. Bei aller Kritik an Nationaltrainer Steve McClaren: Das Spiel gegen Israel war streckenweise eine deutliche Besserung im Vergleich zu den letzten Monaten. Einzig Sorgen macht mir die Stimmung in England: Sowohl im Test gegen Deutschland als auch gegen Israel waren die sonst so euphorischen Fans der Engländer sehr verhalten, bereits wenige Sekunden nach dem Abpfiff war das Stadion geleert. Die schwachen Monate nach der WM haben anscheinend tiefe Spuren hinterlassen.
Das Überraschungsteam in Gruppe F ist Nordirland. Die Briten spielen munter mit und liegen punktgleich mit Spanien und nur wegen der schwächeren Tordifferenz auf dem dritten Platz. Mit einem Sieg in Island wären die Chancen der Nordiren auch nach dem Spiel heute völlig intakt. Auf der anderen Seite darf sich Spanien keinen Patzer gegen Lettland erlauben. Tabellenführer Schweden hat übrigens spielfrei. Das andere skandinavische Team, Dänemark, muss auf einen Ausrutscher möglichst von beiden Konkurrenten hoffen, um mit einem gleichzeitigen Sieg in Liechtenstein die letzte Chance zu erhalten. Aber eigentlich ist der Rückstand der Dänen schon zu groß, um noch etwas ausrichten zu können.
Last but not least: Gruppe G. Der klare Tabellenführer Rumänien hat heute spielfrei, kann ansonsten aber noch völlig frei über das eigene Schicksal verwalten und fährt wohl schon fast sicher zur Europameisterschaft. Mit einem Sieg der Niederländer in Albanien könnte auch „Oranje“ einen wichtigen Schritt machen. Zwar würde Bulgarien mit einem Erfolg gegen Luxemburg dran bleiben, doch die Bulgaren haben ein Spiel mehr als die „Elftal“. Statistischen Wert hat dagegen nur noch das Spiel Sloweniens gegen Weißrussland.
In eigentlich allen Gruppen gibt es noch spannende Konstellationen. Es wird ein sehr interessanter – aber auch vorentscheidender Qualifikationsabend. Einige Teams werden sich morgen bereits mit ihrer Freizeitplanung für den Juni 2008 beschäftigen können. Die Analyse der deutschen Partie gibt es morgen im Laufe des Nachmittages. Für heute wünsche ich ein spannendes Länderspiel!