Die neue Qualität 13. September 2007
Posted by M@x in EM 2008.add a comment
Die erste Halbzeit des Testspiels gegen Rumänien erinnerte irgendwie an März. Bereits am Sonntag und gestern wieder habe ich spekuliert, ob uns wieder so ein Spaß-Spiel wie gegen Dänemark ins Haus steht. Doch da sprachen diesmal zwei Punkte dagegen: Zum einen war der Gegner besser als seinerzeit Dänemark, zum anderen konnte sich das DFB-Team im zweiten Durchgang erheblich steigern. Ist es eine neue Qualität der Nationalmannschaft, auch schwierige Spiele zu gewinnen, noch dazu mit einer munter durchgemischten Formation? Trotz einiger Kritikpunkte gibt es aus dem Spiel wieder einiges positives mitzunehmen: Es wurde nicht aufgesteckt, die Veränderungen in der zweiten Halbzeit haben gegriffen. Wenn im Oktober und November wieder mehr etablierte Spieler an Bord sind, dürfte bei der EM-Qualifikation endgültig nichts mehr anbrennen und auch mit Blick auf die Endrunde im nächsten Sommer entwickelt sich das ganze sehr positiv. Aber was wäre ein Länderspiel ohne die knüppelharte Analyse? Bitteschön!
Torwart Timo Hildebrand erhielt den Vorzug gegenüber Robert Enke und zeigte eine ordentliche Leistung. Beim frühen Gegentor hatte er keine Chance, zu sehr ging es da in der Zuordnung durcheinander. Später wurde er zweimal geprüft und verhinderte dabei einmal mit einer starken Parade einen weiteren Gegentreffer. Ein wichtiges Signal vom Neu-Spanier nach seinem neuen Ersatzbank-Job in Valencia und den zuletzt schwächeren Leistung im Nationalteam. Note: 2
Viel experimentiert wurde in der Abwehr. Mit der Erkenntnis, das an diesem Mannschaftsteil möglichst wenig geändert werden sollte. Das geht damit los, dass das etatmäßige Innenverteidigerduo auseinandergerissen wird, und Metzelder/Manuel Friedrich nicht gut miteinander harmonieren. Außerdem ist Roberto Hilbert auf der rechten Außenverteidigerposition auf noch schlechterem Posten als Arne Friedrich. Der Stuttgarter konnte auf dieser Position überhaupt nicht überzeugen, spielte nochmal eine Ecke schlechter als gegen Wales. Besonders auffällig die vielen Stellungsfehler, die den Rumänen einige Chancen über die linke Seite ermöglichten. Nach der Halbzeitpause schaltete sich Hilbert zwar mehr offensiv ein, doch auch da blieb er glücklos. Es wird Zeit, dass Philip Lahm und Clemens Fritz wieder fit werden. Irgendwie scheint sich der Rechtsverteidiger zur einzigen deutschen Problemposition zu entwickeln. Eine Chance bekam wieder einmal Manuel Friedrich. Der Leverkusener hatte große Abstimmungsprobleme mit seinem Verteidigungspartner Metzelder. Nach der Halbzeit aber klappte das mit Arne Friedrich hervorragend. Es stellt sich aber die Frage, wo Friedrich beim Gegentor war, wie an den Rest der Mannschaft. Doch dazu gleich mehr. Manuel Friedrich jedenfalls konnte sich im Spielverlauf steigern, erlaubte sich sonst keine nennenswerten Fehler, wirkt aber deutlich weniger stabil als Mertesacker. Vielleicht war diese Nervosität auch ein Grund, warum Christoph Metzelder völlig neben den Schuhen stand. Meine Vermutung war es ja, dass das deutsche Team beim Gegentor auf Abseits gespielt hat, und nur Metzelder nichts davon mitbekommen hat und deshalb das Gegentor ermöglichte. Auch sonst wirkte der Madrilener nicht spritzig genug für die anfangs sehr forschen rumänischen Offensivkräfte. Die Führungsrolle, die ihm zugedacht wird, konnte er heute nicht erfüllen, verunsicherte seinen Nebenleute. Einigermaßen ansprechend aus der Viererstartformation konnte mich nur Marcell Jansen. Diesmal begann er direkt links hinten, seine gewohnte Rolle, die ihm auch deutlich besser steht als im Mittelfeld. Endlich konnte er wieder seine Defensivstärke in den Vordergrund rücken, wodurch dann auch die offensiven Akzente wirkungsvoller werden, weil es den Überraschungseffekt vergrößert. Die zwei Länderspiele haben Jansen gut getan, er hat Spielpraxis auf hohem Niveau gesammelt und wird nun auch wieder den FC Bayern verstärken. Note: Jansen 3 // Friedrich 4 // Hilbert, Metzelder 5
Erneut eine ansprechende Leistung im Mittelfeld zeigte „The Hammer“ Thomas Hitzlsperger. Vielleicht hat er hier mitgelesen, denn meine Anmerkung, seine Torgefahr besser einzusetzen, wurde streckenweise gut eingesetzt. In der ersten Halbzeit war es ausschließlich Hitzlsperger, der sich mit seinen Distanzschüssen ein Herz fasste und das träge Spiel der Deutschen etwas belebte. Im zweiten Durchgang durch Rolfes ersetzt. Neu dabei war Piotr Trochowski. Der Hamburger wirkte sehr bemüht, doch ihm fehlte Struktur in seinen Aktionen. Immer wieder verhaspelte er sich in guter Position oder übersah den besser platzierten Mitspieler. Brachte aber insgesamt mehr Leben in die Begegnung als Hilbert gegen Wales. Einen großen Aktionsradius hatte der zurückgekehrte Ersatz-Kapitän Bernd Schneider. Im ersten Durchgang fehlerlos, aber ohne Akzente, legte er in den zweiten 45 Minuten richtig zu und schwang sich zum besten deutschen Spieler auf. Noch vor der Pause der Kopfballtreffer in seinem 80. Länderspiel. Sehr gut gefallen hat mir die Variante, dass Schneider mit Schweinsteiger die Positionen wechselt. Gerade beim Ausgleichstor führte das zum Erfolg: Plötzlich war „Schweini“ auf der Schneider-Position, flankte auf den Kapitän, der wiederum zentral auf dem Platz Schweinsteigers war. Schweinsteiger selber lieferte mit der Maßflanke sein persönliches Highlight, blieb aber insgesamt ungefährlicher als gegen Wales. Doch die Zusammenarbeit mit Schneider funktionierte exzellent. Was wird das für ein deutsches Mittelfeld bei der EM-Endrunde? Schweinsteiger, Ballack, Frings und Schneider – dazu Hitzlsperger und Borowski in der Hinterhand. Ich bin begeistert! Note: Schneider 2 // Schweinsteiger, Hitzlsperger 3 // Trochowski 4
Der Kölner Sturm mit Lukas Podolski und Patrick Helmes erlebte ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten. Im ersten Durchgang hatten beide einen schweren Stand gegen die stabile rumänische Abwehr. Doch nach dem Seitenwechsel gelangen die Aktionen besser, auch weil mehr Unterstützung aus dem Mittelfeld kam. Patrick Helmes wirkte bisweilen etwas überhastet, zeigte aber sein Potential und setzte sich zweimal durch kluge Laufwege in Szene. In der zweiten Halbzeit wurde der Kölner auch mehr von Spielmacher Schneider gesucht. Diese 45 Minuten waren eine Rechtfertigung gegenüber seinen Kritikern, die sich nicht ganz zu Unrecht über die Nominierung eines Zweitliga-Stürmers aufregen. Die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlt ihm aber noch. Selbige wiederfinden muss wohl auch erst Lukas Podolski. Erstmals nach seiner Verletzung wieder im Einsatz, begann er sehr schwach, um zum Ende hin richtig aufzudrehen. Besonders auffällig waren zunächst seine Hemmungen direkt vor dem Tor: Podolski wollte lieber noch einen Querpass spielen, statt direkt abzuziehen. Dieses Selbstvertrauen muss er sich erst wieder zurückholen. Vielleicht hat dazu das wunderbare Traumtor zum 3:1 beigetragen. Note: Helmes, Podolski 3
Nachdem die Tschechen Irland mit 1:0 besiegten, reicht gegen Irland nun schon ein Unentschieden. Aber mal ehrlich, nach dem Abend sind die Deutschen sicher qualifiziert, können sich um die optimale Vorbereitung kümmern für das Turnier in den Alpenländern. Dennoch sollten die nächsten vier Spiele nicht auf die leichte Schulter genommen werden, einerseits um den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung nicht geltend zu machen, andererseits bietet sich jetzt für die Wackelkandidaten die Chance, sich zu beweisen. Notenschnitt: 3,36
Beweisen müssen sich morgen auch die DFB-Damen. Das zweite Gruppenspiel gegen England bei der Weltmeisterschaft steht an. Nach diesem Spiel wird Moritz über den hoffentlich zweiten Sieg berichten.