Nun war es leider soweit… 23. September 2007
Posted by Moritz in Bundesliga, Nordostfussball.2 comments
…, dass der erste Vorstand kalte Füße bekommen hat und zur einfachsten Lösung, der Trainerentlassung, gegriffen hat. Erwischt hat es Petrick Sander vom Tabellenletzten Energie Cottbus, der vom Verein beurlaubt wurde. Sein Interimsnachfolger wird Assistent Thomas Hoßmang.
Die Entscheidung kam dabei letztendlich nicht mehr überraschend, wurden doch schon im Vorfeld Stimmen laut, dass Energie gewinnen müsse, damit Sander bleiben könne. Dies allerdings konnte trotz aller Bemühungen im heimischen Stadion der Freundschaft gegen Wolfsburg nicht realisiert werden. Die Fans allerdings unterstützten ihn während des Spiels und nach der Niederlage weiter:
„Du bist der beste Mann“
Gleichzeitig forderten sie den Vorstand auf zu gehen. Dieser zog sich nach dem Spiel zurück und beriet lange das weitere Vorgehen, bis heute morgen dann die Meldung über die Entlassung bzw. „Beurlaubung“ bekannt gegeben wurde. Die Gründe dafür sind wie immer fadenscheinig:
„Wir stehen erstmals seit dem Wiederaufstieg 2006 auf dem letzten Tabellenplatz in der Bundesliga und haben mit dem schlechtesten Torverhältnis der Liga bereits vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.“
„Wir dürfen unser Saisonziel nicht frühzeitig aus den Augen verlieren.“ (beide Präsident Lepsch)
Allerdings dürften der Kampf gegen den Abstieg sowie die geringe Punktausbeute nach schweren Auswärtsspielen gegen Leverkusen, Stuttgart und Dortmund keine allzu große Überraschung darstellen. Gegen Pokalsieger Nürnberg holte man ebenfalls ein Unentschieden. Gegen Bochum und Wolfsburg wurde nur knapp verloren. Da werden selbst die Mitkonkurrenten nicht viel mehr Punkte holen können.
Die Gelegenheit war also passend sich eines nicht wirklich konformen Trainers zu entledigen, der nicht immer wollte, wie es sich Sparkassenvorstand und Präsident Lepsch vorstellte. Schon lange schwelte der Konflikt zwischen beiden. Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung blieben ergebnislos. Forderungen nach besseren Spielern, nach den Abgängen von Radu und Munteanu wurden aus finanziellen Zwängen nicht erfüllt, ohne Rücksicht darauf das mehr Geld in der Kasse oder weniger Schulden nicht viel gegen den Abstieg helfen. Gleichzeitig mischte er sich in Sanders Arbeit mit ein. Die persönlichen Vorbehalte sollen selbstverständlich trotz allem nichts mit der Entscheidung zu tun gehabt haben und noch vor dem Spiel ausgeräumt worden sein. Und so traf es wieder einmal „einstimmig“ das schwächste Glied in der langen Kette. Einen Trainer, der anders war als die anderen und somit die Liga bereichern konnte.
Eigentlich müsste man Sander ewig dankbar sein, dass man sich überhaupt noch Gedanken über die Abstiegsplätze der ersten Liga machen kann und sich nicht mit dem Zweitligaalltag beschäftigen muss. Er machte aus einem Kader, den vor der Saison niemand für erstligatauglich gehalten hätte, eine gute Mannschaft die den Klassenerhalt auch noch drei Spieltage zu früh schaffte. Auch vollbrachte Sander, der von Lepsch-Vorgänger Dieter Krein vor knapp drei Jahren zum Cheftrainer befördert worden war und die Nachfolge von Eduard Geyer angetreten hatte, das Wunder trotz der widrigsten Umstände in Cottbus, den Absturz in die Reginalliga zu verhindern und auch noch in das Oberhaus aufzusteigen.
Doch all das zählt nun nicht mehr und der Verein sucht einen Trainer, der nicht aus dem Umfeld des Vereins kommt und sowohl finanziell als auch charakterlich zum Verein passen soll. Der erste Trainer der mit in den Sinn kommen würde, wäre ein ganz bestimmter – nämlich Petrick Sander. Er spielte er mehrere Jahre für Cottbus auch in der DDR-Oberliga. Außerdem ist seit 13 Jahren in Cottbus Trainer, erst bei den Amateuren, dann als Co-Trainer von „Ede“ Geyer und letztendlich Cheftrainer. Er kennt Cottbus demzufolge wir kaum ein anderer, hätte sozusagen ein Thomas Schaaf des Ostens werden können. Er litt auhc persönlich für den Verein, wie im Spiel gegen Erzgebirge Aue noch in der Zweiten Liga, als eine Rakete direkt neben ihm explodierte und sein Gehör damit nachhaltig beschädigt hat. Er hat schon viele kommen und gehen sehen. Nun musste er aber gehen, weil alle zu viele Fehler gemacht haben. Und Cottbus hat damit nach Radu und Munteanu seiner wahrscheinlich letzten Lebensversicherung den Stuhl vor die Tür gestellt.
So sieht es in einer Region, für die Energie immer schon ein Lichtblick war, wieder ganz düster aus. Die schnelle Lösung wurde gesucht, anstatt auf Kontinuität zu setzen. So bleibt zum Abschluss nur noch Petrick Sander viel Glück für die Zukunft und bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber zu wünschen sowie das Hoffen, dass Energie, wie auch immer, den Klassenerhalt trotzdem schafft.