Der Fall Dejagah 11. Oktober 2007
Posted by Moritz in Fussball International, Medien.trackback
Als am Anfang der Woche Ashkan Dejagah am Anfang der Woche bekannt gab, dass er nicht mit der U21 nach Israel fahren, konnte er sicher nicht ahnen, dass nur wenige Tage später dieser Fall hohe Wellen schlägt und sogar sein Ausschluss aus den Nationalmannschaften gefordert werden würde.
Doch alles von Anfang an. Dejagah bat seinen Auswahltrainer Dieter Eilts, der ihn für dieses EM-Qualifikationsspiel nominiert hatte, nicht mit nach Israel reisen zu müssen. Dieser akzeptierte diese Bitte kurzerhand, da Dejagah ihm ihn überzeugende private Gründe darlegen konnte.
“Ich bitte um Verständnis, dass diese Gründe sehr persönlicher Natur sind und in meinem engsten familiären Umfeld begründet liegen. Insofern danke ich dem DFB auch sehr für das Vertrauen und die Diskretion.” Dejagah (DFB-Pressemitteilung)
Diese Begründung legt nahe, dass er im Falle eines Einsatzes und sogar gar einer Einreise nach Israel selbst mit Repressionen staatlicherseits zu rechnen hätte, sollte er jemals seine Verwandten oder bekannte im Iran besuchen wollen, die bis zu Haftstrafen reichen können. Auch fürchte er um seine Verwandten im Iran, die möglicherweise ebenfalls Unannehmlichkeiten und Repressalien seitens des dortigen Regimes zu erwarten hätten. Der Grund dafür liegt in der Ablehnung großer Teile der arabischen Welt gegenüber Israel, die es nur als Besatzungsmacht sehen und es daher nicht anerkennen. So wurden unter anderem iranischen Bürgern jede Einreise nach Israel bei Strafe untersagt, die zwar des Öfteren mit zweiten Pass und anderen Mitteln umgangen wird, die aber bei einer medienwirksamen Veranstaltung, wie eine Spiel zwischen Israel und Deutschland, nicht wirken können. Auch wurde jeglicher Sportwettkampf gegen Israelis verboten, weswegen Israel unter anderem auch den europäischen Sportorganisationen zugerechnet wird.
So weit, so nachvollziehbar die Gründe. Doch kurz nach der Veröffentlichung der Pressemeldung, meldeten sich auch schon die ersten Politiker zu Wort und meinten einen Skandal entdeckt zu haben. Dazu beigetragen hat sicher auch ein weiterer Kommentar des Spielers, der allerdings der Bild-Zeitung entstammt:
“Das hat politische Gründe. Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin.”
Diese sicherlich nicht ganz glückliche Formulierung, sollte wahrscheinlich hervorheben, dass er halt nicht nur deutscher Staatsbürger ist und somit mit Konsequenzen zu rechnen hat, die vom iranische Staat und seiner Regierung ausgehen und aus diesem Grunde schon politisch sind, beziehungsweise als solche angesehen werden können. Vielleicht wollte er damit auch Ausdrücken, dass es nicht seine eigene private Überzeugung ist, die sein Geburtsstaat verkörpert.
Jedoch wurde daraus etwas anderes abgeleitet, dass dann nicht nur von Seiten des Zentralrats der Juden in diesen Aussagen mündet:
“Es ist undenkbar und unmöglich, dass ein Nationalspieler einen privaten Judenboykott initiiert” (Dieter Graumann)
“Wer wie der deutsch-iranische U21-Nationalspieler Ashkan Dejagah ein Länderspiel gegen Israel verweigert, handelt zutiefst unsportlich, denn gerade sportliche Wettkämpfe werden friedlich, respektvoll ausgetragen und überwinden politische Spannungen” (Charlotte Knobloch)
Ich halte die Reaktion für etwas sehr übertrieben und zugespitzt, denn natürlich ist der Iran leider offen antisemitisch eingestellt, wie der größte Teil der arabischen Welt und natürlich gehören solche politischen Androhungen wie von Seiten des Irans nicht in den Sport. Aber kann man von einem jungen deutschen Nationalspieler, der betont nichts gegen Israel zu haben und aus Rücksicht auf Verwandte, die auch laut ehemaligen Jugendtrainer eine große Rolle in seinem Leben spielen, vorwerfen den Sport zu politisieren und so unsportlich zu handeln, dass er nichts mehr in einer Nationalmannschaft zu suchen hat?
Politisch mag es schade sein, dass er sich der iranischen Diktatur beugt, ich denke aber eher, dass man ihm von moralischer Seite kaum einen Vorwurf machen kann, denn er hat vielleicht etwas naiv aber meiner Meinung durchaus ehrlich private Gründe angegeben und sich nicht einfach verletzt gemeldet, wovon man wahrscheinlich keine Notiz genommen hätte, und letztendlich versucht er damit nur seine Familie zu schützen.
Aber sogar der DFB sagt jetzt in Person von Theo Zwanziger, dass man dem Verzicht vorschnell zugestimmt habe und möchte den Sachverhalt nun in einem direktem Gespräch klären, dass demnächst stattfinden soll und über die weitere Zukunft des Spielers in der Nationalmannschaft entscheiden wird.
Somit hat sich der noch junge und nicht medienerfahrene Dejagah in eine Zwickmühle gebracht, aus der er nicht mehr unbeschadet herauskommen kann und die er vermeiden wollte, als er sich vertrauensvoll an seinen Trainer gewandt hat. Im Iran wird er nun, auch dank des Medienechos in Deutschland, ungewollt und instrumentalisiert von den Medien als Held dargestellt und hier wird er stark für seine Entscheidung kritisiert, die durchaus nachvollziehbar ist.
Danke für diesen Beirag. Er ist wunderbar.