FC Metz, die granatrote Laterne Frankreichs 11. November 2007
Posted by Moritz in Fussball International.trackback
Es war vor inzwischen schon einiger Zeit, als ich mich auf die Suche machte nach einem französischen Radiosender, um die Sprache unserer Nachbarn auch mal live zu erleben und zu verstehen ohne einen reinen Sprachsender zu finden. Letztendluch blieb ich dabei bei direct.fm hängen, einem beschaulichen Lokalsender aus Lothringen. Nach einiger Zeit merkte ich, wie es der Zufall so wollte, dass er jedes Spiel des FC Metz vollständig live und mit ausführlichen Vor- und Nachberichten überträgt. Ein Radiosender wie geschaffen für mich also, konnte ich doch das „Lernen” jetzt doch mit dem Interessanten verknüpfen. So kam es wie es kommen musste, vor allem die emotionalen Spielkommentare und natürlich auch nicht zuletzt das erfolgreiche Auftreten des Vereins in der letzten Saison führten dann langsam dazu, dass das Interesse wuchs und wuchs und letztendlich in einer großen Zuneigung endete.
Doch trotz des überzeugenden Aufstiegs kann man wohl sagen, dass der Verein, dessen Wurzeln auf mehrere deutsche Vereine während des Kaiserreiches zurückführen lassen, die allerdings 1919 aufgelöst werden mussten und dann den heutigen FC Metz gründeten, seine besten Zeiten bereits hinter sich gelassen hat. Diese feierte er Mitte der 90er Jahre, als er den Ligapokal gewann und einmal sogar nur aufgrund der Tordifferenz Zweiter hinter RC Lens wurde. Einer der Urheber des Erfolgs und einer der größten Spieler, die der Verein hervorbrachte, war ohne Zweifel Robert Pires, der hier seine Anfänge machte und mit seinem Sturmpartner ein gefürchtetes Duo bildete. Doch nach der knapp verpassten Meisterschaft und seinem Weggang zu Olympique Marseille, begann der schleichende Abstieg erst in die Bedeutungslosigkeit und später sogar aus dem Oberhaus des französischen Fußballs, von dem man sich nach 35 Jahren Erstligazugehörigkeit 2002 als Vorletzter verabschieden musste. Doch mit neuem Trainer und neuem Mut gelang in der nächsten Saison unter anderem mit Emmanuel Adebayor der direkte Wiederaufstieg, allerdings konnte er sich im Oberhaus erneut nur drei Jahre halten, sicherlich auch auf Grund einiger Fehlinvestitionen und dem Frühzeitigen Verkauf von Franck Ribery, der schon zu seiner Metzer Zeit für ein bisschen Furore sorgte. Am Ende der Saison 2006 stieg man als zwanzigster und somit letzter erneut ab.
Darauf folgte dann die Saison in der ich die Grenats für mich entdeckte. Nach dem erschreckend schwachen Abschneiden in der Abstiegssaison traute dem Klub niemand einen erneuten sofortigen Wiederaufsteig zu. Doch Francis de Taddeo, der ehemalige Trainer der zweiten Mannschaft und als ehemaliger Leiter des Ausbildungszentrums bestens mit den Nachwuchsspielern vertraut, baute eine schlagkräftige, junge Truppe auf, die die zweite Liga von Beginn an beherrschte und bald das „Olympique Lyon aus Liga Zwei” genannt wurde. Auch durch seine unglaubliche Heimstärke, es wurde zu Hause kein einziges Spiel verloren, machte man die zu Beginn kaum für möglich gehaltene Rückkehr in Frankreichs Oberhaus perfekt. Nach dem sicheren Aufstieg begann allerdings einer länger andauernde Schwächeperiode mit vier Niederlagen in Folge, die die anfängliche Euphorie ein wenig eindämpfte und erste Zweifler auf den Plan rief, doch am Ende wurde man souverän Meister in der zweiten Liga.
Um den Ansprüchen der ersten Liga auch langfristig gerecht zu werden, entwarf der Vereinsvorstand dieses Frühjahr das „Projet Grenat 2010″, das einen sukzessiven Ausbau der Heimspielstätte, des Stade Saint-Symphorien, vorsieht ebenso wie eine Modernisierung der Anlage um das Stadion herum bis, wie der Name es schon vermuten lässt, 2010. Momentan erfüllt es trotz einer noch gar nicht so lange zurückliegenden Renovierung, nach der es rund 27.000 Zuschauer fasst, in meinen Augen gerade so die Anforderungen einer ersten Liga, so kam es unter anderem beim Derby gegen Racing Strasbourg zu Zwischenfällen, als heimische Fans versuchten in den Auswärtsfanblock einzudringen und es auch Würfe von Gegenständen in diesen Block gab. Bei diesem Derby musste der Schiedsrichter außerdem das Spiel ein zweites Mal unterbrechen, als ein Fan der Grenats das Spielfeld stürmte. Doch trotz dieser Zwischenfälle ist die Stimmung im Saint-Symphorien im Allgemeinen recht gut. Ein gutes Beispiel liefert da auch dieses Video von einem Spiel aus dem April diesen Jahres gegen Le Havre, als der Aufstieg fünf Spieltage vor Ende der Saison perfekt gemacht worden ist:
Doch zurück zur aktuellen Saison. Nach den zwei Abstiegen innerhalb von vier Jahren möchte man unbedingt verhindern zu einer Fahrstuhlmannschaft zu werden und sich deshalb in der ersten Liga stabilisieren. Allerdings stellt der kleinste Etat der Liga für diese Ziele nicht unbedingt die besten Voraussetzungen bereit. Deshalb setzt man, durchaus auch mit Blick auf den zurzeit erfolgreichen Lothringer Lokalrivalen AS Nancy-Lorraine, auf das eigene Ausbildungszentrum und setzt den Kurs, den man zu Beginn der Aufstiegssaison begonnen hat, weiter fort. So verpflichtet man neben erfahrenen und nicht allzu teuren Spielern, wie den aus Gladbach bekannten Jeff Strasser oder den Schweizer Nationalspieler Daniel Gygax, auf junge Spieler, die sich im Verein entwickeln sollen. Hervorzuheben ist dabei unter anderem der Bosnier Miralem Pjanic, der dieses Jahr sein Debut für Metz gab, obwohl angeblich mehrere große Vereine wie Real, Inter, Liverpool oder auch Schalke bzw. Bayern an ihm interessiert gewesen sein sollen. Inzwischen zählt er zu den festen Größen des Vereins.
So ging man mit einer relativ unerfahrenen Mannschaft in die Saison, dessen war man sich durchaus bewusst, auch dass man als Neuling Erfahrungen im Normalfall nicht durch glänzende Siege erwirbt und diese vor allem mit teils schmerzhaften Erfahrungen verbunden sein wird. Dass die Saison allerdings so schwierig beginnt, wird man kaum erwartet haben. Denn trotz guter Ansätze ging ein Spiel nach dem anderen verloren. Vor allem das Verwerten der Chancen bereitet offensichtliche Probleme. Nach nun bereits 14 Spieltagen wurden erst sechs Tore erzielt. Erst nach vier Spielen konnte man den ersten Punktgewinn feiern, der allerdings nur aus einem mageren torlosen Unentschieden resultiert. Desweiteren fällt besonders die Heimschwäche auf, nachdem das Saint-Symphorien in der letzten Saison noch einer uneinnehmbaren Festung glich. Doch nun verliert die Mannschaft von Francis de Taddeo meist knapp mit nur einem Tor Unterschied. Einzig gegen Lyon gab es eine deutliche und gerechtfertigte Niederlage, sind doch einige Spieler von OL deutlich mehr wert als die ganze Metzer zusammen. So jedenfalls machte es sich der Verein bereits zu Beginn in den Abstiegsrängen bequem und hält seitdem die rote Laterne, die sich langsam in den Vereinsfarben weiß und granatrot einzurichten beginnt.
Wenigstens der Coupe de la Ligue gab bisher Gelegenheit zur Hoffnung, ließ die Mannschaft dort doch ihr Potenzial blicken. In der ersten Runde wurde Titelverteidiger Bordeaux auswärts mit einer Energieleistung nach einem Rückstand noch mit 1-2 geschlagen. Auch in der zweiten Runde wartete mit Olympique Marseille, inzwischen ein direkter Tabellennachbar der Mosellans, doch erneut ein haushoher Favorit. Doch auch diesen zwang man nach zwei Rückständen noch bis ins Elfmeterschießen, bei dem man unglücklich die Segel streichen musste, da der letzte Schütze auf Seiten des FC Metz das Tor verfehlte und den Ball in den Nachthimmel über dem Stade Velodrome schoss. In den beiden Ligaspielen, die vor und nach der unglücklichen Niederlage stattfanden, blieben die Lothringer mit zwei torlosen Unentschieden ebenfalls unbesiegt und so nährte sich die Hoffnung auf einen Durchbruch ähnlich dem Rostocker in der Bundesliga. Mit Lens kam ein direkter Abstiegskonkurrent somit gerade recht um die Wiederauferstehung zu feiern, auch da die Mannschaft in Alles-oder-nichts-Spielen bisher die beste Leistung zeigte. Doch gravierende Abwehrfehler, die sich auch bei engagierten Leistungen wie ein roter Faden durch die Saison ziehen, brachten Lens mit einem Tor in Front. Auch ein Schiedsrichtertausch nach einer Verletzung des ersten Offiziellen konnte nur den Ausgleich bewirken, bis in einer Drangphase wieder einmal der Rückschlag folgte und man somit endgültig den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze verlor, die nun schon sieben Punkte entfernt sind. Mit Olympique Marseille ist aber immerhin das internationale Champions-League-Flair nicht weit.
Doch letztendlich muss Metz aufpassen, dass diese Saison nicht eine der verpassten (Tor-)Chancen wird. Aber zu verpassten Gelegenheiten hat der Verein sowieso sein eigenes Verhältnis. Noch lange vor der verpassten Meisterschaft, wollte ein gewisser Michel Platini, heute seines Zeichens oberster Chef der Uefa, unbedingt in den Farben des FC Metz spielen. Denn ähnlich wie für Franz Beckenbauer 1860 München war der Traum des jungen Platini ebenjener Verein des Doppelkreuzes. Nach einer beeindruckenden Leistung gegen die Jugend seines Traumvereins wurde er zu einer Probevorstellung eingeladen. Unglücklicherweise verletzt er sich kurz zuvor und konnte nicht teilnehmen. Der Trainer, der ihn eingeladen hatte verließ den Klub kurz darauf, weshalb Platini nach seiner Genesung nicht gleich wieder eingeladen wurde. Später bei einem weiteren Vorspiel konnte er bei der ärztlichen Untersuchung nicht überzeugen. So wurden bei ihm Herzschwäche und Atemschwierigkeiten festgestellt, weshalb er dann, wahrscheinlich schweren Herzens, seinem Jugendtraum den Rücken zukehren musste und zum Lokalrivalen aus Nancy wechselte. Die Verantwortlichen werden sich später wahrscheinlich mehrere hunderte Male gefragt haben, wie es dazu kommen konnte.
Jedenfalls hoffe ich, dass sich die Mannschaft nach den vielen Rückschlägen wieder fängt und es trotz widriger Vorzeichen doch noch schafft dem Abstiegsgespenst, das sich schon bekannt macht mit dem Verein, entrinnt und der Graoully, der auch auf dem Vereinsemblem prangt, wieder in ihnen erwacht. In diesem Sinne wünsche ich noch ein schönen Abschluss des Wochenendes und einen angenehmen Start in die Woche.
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