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Das Spiel des Jahres 26. Dezember 2007

Posted by M@x in Fussball International.
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Es ist Boxing-Day. Überall sitzen die Familien zusammen und genießen die letzten ruhigen Tage des Jahres. Nur ein kleines, verrücktes Völkchen, separiert auf einer Insel im Nordwesten von Europa, mag sich diesem Brauch nicht anschließen. Dort wird Fussball gespielt. Und es ist gut, dass in England Fussball gespielt wird – denn der Boxing Day ist kult, und liefert Jahr für Jahr eine besondere Atmosphäre mit besonderen Spielen.

So auch heute, als der FC Chelsea mit seinem Heimspiel gegen Aston Villa den Feiertag eröffnete. Ein von der ersten Minute an schnelles, intensives Match, welches zunächst von den Gästen und dann von Chelsea selbst dominiert wurde, ehe es nach fast 100 Minuten Spielzeit ein dramatisches Ende fand. Interessant war die Partie aber auch, weil Michael Ballack sein Premier League-Comeback gab und dabei gleich ganz besonders im Mittelpunkt stehen sollte.

Doch zunächst schien es eines dieser üblichen Chelsea-Spiele zu werden. Die “Blues” beschränkten sich von Beginn an nur auf triviale spielerische Mittel, um – wie gewohnt – irgendwann das 1:0 zu schießen. Aber sie hatten ihre Rechnung ohne die Gäste aus Birmingham gemacht. Denn Villa stürmte vom Anpfiff weg auf das Tor von Petr Cech, allen voran der überragende Gabriel Agbonlahor. So dauerte es keine Viertelstunde, bis Maloney eine Kopfballverlängerung von John Carew aus vier Metern im Tor unterbrachte. Die nächsten Minuten gehörten weiterhin den Gästen, ehe das Spiel aber der 25. Minute etwas ruppiger wurde, was Chelsea-Star Frank Lampard zu spüren bekam, der wohl mit einer Verletzung am Unterschenkel den Platz verlassen musste. Für ihn kam Michael Ballack nach knapp acht Monaten Abwesenheit zu seinem Comeback in der englischen Spitzenliga. Der Kapitän des deutschen Nationalteams überzeugte sofort mit seiner Präsenz und forderte viele Bälle, jedoch waren die ersten Minuten seines Wirkens noch von einigen Ungenauigkeiten im Passspiel geprägt. In einer Phase, als sich beide Teams etwas beruhigt hatten, lässt Petr Cech einen ungefährlichen Schuss von Maloney aus etwa 20 Metern abklatschen, sodass dieser zum 2:0 in das Tor rollt. Dieser Gegentreffer ging voll und ganz auf die Kappe des Welttorhüters von 2005. Es bahnte sich eine echte Sensation an, denn es wäre die erste Niederlage für Chelsea im eigenen Stadion gewesen nach 73 ungeschlagenen Spielen!

Kurz vor der Pause aber ein kleiner Hoffnungsschimmer. Nach bis dahin indiskutabler Leistung stellte Andrej Shevchenko mit einem Elfmeter den Anschluss her. Enstanden war der Penalty, als Michael Ballack im Strafraum durch Zat Knight zu Fall gebracht wurde. Eine richtige Entscheidung von Schiri Phil Dowt, der später noch mehr im Blickpunkt stehen sollte. Etwas hart war jedoch die Entscheidung, Knight dafür noch die rote Karte zu zeigen, er mag zwar letzter Mann gewesen sein, aber die ganze Situation entstand aus einem riesigen Getümmel im 16-Meter-Raum.

Mit einem Mann weniger und dem psychologischen Nachteil eines unglücklichen Gegentreffers ging es für Aston Villa in den zweiten Durchgang. Bis dahin war es aber eine verdiente Führung für die Gäste. Doch Trainer Martin O’Neill musste natürlich umstellen, nahm Doppeltorschützen Maloney aus dem Spiel, brachte dafür einen neuen Verteidiger. Der überragende Agbonlahor, den Chelsea bis dato nicht in den Griff bekam, musste sich nun im Mittelfeld auch mit Defensivaufgaben beschäftigen, während John Carew als einzige verbliebene Spitze auf Konter lauerte. Die Partie entwickelte sich der Ausgangsposition entsprechend – Chelsea stürmte munter los und zeigte dabei sehr ansprechenden Fussball, den man von den “Blues” nicht gewohnt ist. Ist das der attraktive Fussball, den Avram Grant versprochen hat? Dann bin ich dafür! Der Aufschung der Gastgeber war eng mit dem Spiel von Shevchenko verbunden, der nun richtig aufdrehte. Nach einigen knappen Szenen überzeugte er mit einem herrlichen Schuss aus 20 Metern in den linken oberen Winkel, der Villa-Goalie Scott Carson keine Chance ließ. 2:2! In der 66. Minute wagte sich Innenverteidiger Alex nach vorne, um sein Solo nach Doppelpass mit “Sheva” zu vollenden. Jetzt war die Stimmung auf dem Kulminationspunkt! Chelsea hatte ein Spiel nach schwacher erster Halbzeit gedreht und dabei auch noch überzeugenden Fussball geboten.

Das sollte aber noch längst nichts alles sein. Denn Aston Villa wollte sich die gute Leistung aus dem ersten Durchgang nicht unbelohnt entreißen lassen. Mit dem ersten Torschuss in der zweiten Halbzeit meldeten sich die Gäste zurück: 3:3 durch Laursen! Einen Freistoß von der linken Seite offenbarte Abstimmungsschwierigkeiten in Chelseas Deckung, sodass der Torschütze nur noch den Fuss hinhalten sollte. In dieser Phase wurde einer immer stärker: Michael Ballack zog im Mittelfeld viele Bälle und verteilte diese mit anständiger Genauigkeit. Auch er spielt gleich noch eine besondere Rolle.

Die famose Schlussphase wurde aber eingeleitet durch Schiedsrichter Dowt. In der 80. Minute explodierte die Stimmung auf den Rängen, als Ricardo Carvalho mit glatt Rot den Platz verlassen musste. Eine Grätsche mit beiden Beinen gestreckt frontal gegen Agbonlahor verfehlte glücklicherweise ihr Ziel, doch völlig zurecht musste der Portugiese für diese Blutgrätsche vorzeitig duschen gehen. Mit wieder gleichen Kräfteverhältnissen entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Schon in der 88. Minute bekommt Chelsea 17 Meter in zentraler Position einen Freistoß. Lampard und Shevchenko waren bereits ausgewechselt. Also Ballack! Mit viel Gefühl drehte er den Ball rechts an der Mauer vorbei in die untere Torecke! Nach über acht Monaten Leidenszeit das Comeback und dann gleich ein Tor! Und so ein wichtiges! Der Jubel kannte keine Grenzen.

Aber einen hielt dieses irre Spiel noch bereit. Nach dem erneuten Rückstand brachte Aston Villa mit Marlen Harewood einen frischen Stürmer für John Carew. Gleich in seiner ersten und letzten Aktion der Partie krachte es gewaltig. Der Harewood-Kopfball wird von Ashley Cole auf der Linie geklärt. Ein Pfiff – Konfusion. Schiedsrichter Dowt entscheidet auf Handspiel, Elfmeter und Rot für Cole. Jeder im Stadion fragte sich jetzt wohl, ob dieser Wahnsinn denn noch ein Ende finden wird? Die Zeitlupe zeigte, dass Schiri Dowt daneben lag. Der Ball berührte die Hand von Ashley Cole nicht! Den fälligen Elfmeter brachte Gareth Barry sicher ins Ziel.

So endete ein unglaublicher Fussball-Nachmittag mit einer Fehlentscheidung, drei roten Karten und acht Toren. Letztendlich ein leistungsgerechtes Unentschieden, zu dem beide Mannschaften ihren Teil beigetragen haben. Schade natürlich, dass Michael Ballack durch einen falschen Pfiff um sein Siegtor gebracht wurde, wenngleich natürlich das Tor selbst trotzdem bestehen bleibt.

Jetzt ist es ein sehr langer Bericht geworden, den dieses Spiel aber auch verdient hat. Für mich war es so kurz vor Silvester das Spiel des Jahres. Sicher gab es ähnlich packende Spiele mit größerem Entscheidungsgehalt, etwa Liverpool-Chelsea im Mai. Aber heute passte einfach alles. Danke Chelsea! Danke Villa! Ein geiler Nachmittag.

Kommentare»

1. Preview Premier League 20. Spieltag - Wir basteln uns ein Fußballwochenende « Medien, Sport und Politik - 28. Dezember 2007

[...] 33 Treffern, acht davon alleine an der Stamford Bridge bei dem 4:4 der Blues gegen Aston Villa. Bei Abenteuer Fußball wird noch einmal genauer auf das Spiel geschaut. Tottenham (5:1 gegen Fulham) und Everton (2:0 [...]