Ein Hinkelstein erobert Europa 29. Dezember 2007
Posted by Moritz in Fussball International.trackback
Noch vor dem Jahreswechsel kommt langsam Bewegung in den Transfermarkt. Einer der ersten, die davon zu profitieren suchen, ist Andreas Hinkel. Der ehemalige Stuttgarter war zuletzt von Wolfsburg und vor allem auch von Dortmund ins Visier genommen worden. Es schien schon alles auf eine Verpflichtung durch die Borussia hinauszulaufen, doch nun hat, nachdem Sevilla den Transfer noch im letzten Augenblick stoppte, Celtic mit einem nachgebesserten Angebot den Zuschlag erhalten, wo er bereits einen Medizincheck absolviert haben soll und die Unterschrift kurz bevorstehen soll..
Für den Nationalspieler ist der Wechsel im Grunde die einzige mögliche Option. Denn in Sevilla, wo man ihn nach der WM in Deutschland, für die er nicht nominiert wurde, einigermaßen überraschend verpflichtet hatte, gehörte er nie zur ersten Wahl und kam über den Status eines Ergänzungsspielers nicht hinaus. Unter anderem, da Sevilla auf seiner Position mit Daniel Alves einen der besten rechten Verteidiger unter Vertrag hat, außerdem bestand zu Anfang sicherlich die eine oder andere Sprachbarriere, die es Hinkel zusätzlich erschwerte in die erste Elf zu rutschen. So führte er in Südspanien vor allem ein Dasein als Ersatzspieler. Auch die Vielzahl an Wettbewerben, die der FC Sevilla bis zum Saisonende bestritt, brachten nicht die erhofften Einsatzminuten für den Legionär. So erlebte er den Uefa-Pokaltriumph der seinen nur von der Tribüne. Auch in der aktuellen, seiner zweiten Saison besserte sich die Lage nicht. Zwar stand ein Wechsel seines übermächtigen Konkurrenten Alves zu Chelsea kurze Zeit im Raum, kam jedoch nicht zu Stande, so dass Hinkel zuletzt nicht einmal mehr zweite Wahl war, als dieser gesperrt fehlte, weshalb in dieser Saison nur jeweils zwei Einsätze in der Liga und der Champions League zu Buche stehen.
Nachdem für ihn, der in Stuttgart unter Trapattoni sowie zuletzt unter Veh auch meist nur auf der Bank saß und deshalb nach 14 Jahren die „Flucht” ergriff, nun auch in Spanien keine Chance mehr bestand, kam das Angebot der Dortmunder gerade recht. Dieses von ihm favorisierte Angebot scheiterte jedoch letztendlich an den Ablösevorstellungen der Spanier, die ihn wohl meistbietend verkaufen wollten und deshalb nur das Angebot aus Schottland akzeptierten. Obwohl er zuerst einen Wechsel zu Celtic ausschloss, dürfte dies nun den zwar anspruchsvolleren aber dennoch richtigen Weg darstellen, denn der schottische Meister und Pokalsieger stellt sicherlich eine andere Klasse dar als die in der Bundesliga umherschwankenden Dortmunder. Seine Chancen auf Einsätze dürften sich mit dem Wechsel zumindest schlagartig erhöht haben, denn bei Celtic wurde eine Neubesetzung der Stelle in der rechten Abwehr nötig, da sich die etatmäßigen Verteidiger verletzt hatten. Zuletzt füllte diese Position der schottische Nationalspieler Gary Caldwell, der nach dem Wechsel nun wieder zurück ins Defensivzentrum rücken dürfte. Hinkel kommt zwar nicht als in Spanien etablierter Spieler, von Vorteil dürfte aber sein, dass er durch seine wenigen Einsätze zunächst ausgeruht nach Schottland kommt. So kann er die erste Zeit intensivst nutzen, um sich an die dezente britische Härte zu gewöhnen und durch gute Leistungen in den ersten Spielen vielleicht sogar dauerhaft einen Stammplatz zu erobern sowie ihn auch nach Rückkehr der verletzten Anwärter zu behalten. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zum nun zerschlagenen Transfer in die Bundesliga dürfte die noch andauernde internationale Tätigkeit der Schotten, die auch in den nächsten Jahren durchaus sicher erscheint.
So stellt auch dieser Wechsel durchaus ein Wagnis dar. Allerdings dürfte das bei fast jedem Wechsel der Fall sein und letztendlich überwiegen die Chancen und die Verbesserungen gegenüber der festgefahrenen Situation in Spanien. Somit dürfte die Fortsetzung seiner Karriere in Schottland durchaus der richtige Schritt sein, auch wenn es zunächst nicht sein präferiertes Ziel gewesen sein sollte. Die Voraussetzungen für einen Aufschwung nach Jahren der Stagnation dürften gegeben sein.
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