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Erfolg zu jedem Preis? 14. Januar 2008

Posted by M@x in Bundesliga.
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Drei Tage ist es mittlerweile, als ich ohne jede Vorahnung plötzlich einen riesigen Schock beim Durchschauen der einschlägigen Internetseiten bekommen habe. Es dauerte auch einige Zeit, bis ich wirklich „verdaut“ hatte, was da über die Agenturmeldungen rasselte: Jürgen Klinsmann wird ab dem 1. Juli 2008 Trainer des FC Bayern München! Wer sich noch an meinen Post von vor zehn Tagen erinnern kann, weiß, dass ich seinerzeit Klinsmann als einen der ersten Namen ausgeschlossen habe im Hinblick auf die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld nach dieser Saison. Jetzt ist Umdenken angesagt, auf vielen Ebenen. Deshalb hier ein vorsichtiger Versuch einer Zusammenfassung meiner Gedanken zum Thema Klinsmann.

Welche Argumente letztendlich ausschlaggebend waren, dass Jürgen Klinsmann nach München kommt, lässt sich nur erraten. Der Neu-Trainer selbst sprach in der Pressekonferenz von einer „emotionalen Entscheidung“, er fühle sich „geehrt“, das „Nonplusultra des deutschen Vereinsfussballs“ zu trainieren. Soweit alles klar. Angesichts der Tatsache, dass Klinsmann seit seinem Rücktritt als DFB-Teamchef im Sommer 2006 viele hochkarätige Angebote ausgeschlagen hat, und jetzt ausgerechnet seine Wahl auf den FC Bayern gefallen ist, stelle ich mir die Frage, ob der FC Bayern nach jahrelanger konservativer Politik jetzt den Geldbeutel deutlich offener zeigt. Prinzipiell mag Jürgen Klinsmann erfolgreiche Jahre als Stürmer an der Isar verlebt haben, aber die große Liebesbeziehung, wie es nun gerne dargestellt wird, war es nie. Doch das schon im vergangenen Sommer begonnenen Projekt eines radikalen Umbruchs beim Rekordmeister wird mit aller Gewalt weiter durchgesetzt. Klinsmann ist die Lösung, die wohl auch die einschneidensten Veränderungen mit sich bringen wird.

Zunächst einmal haben die Münchener Manager jetzt einen ganz anderen Trainertypen auf dem Trainingsplatz. Jahrelang war Ottmar Hitzfeld ein loyaler Angestellter und eine feste Konstante im Bayern-Gefüge. Hitzfeld gehört sicher zur Riege der konservativen Trainer, arbeitet seit Menschengedenken nach dem gleichen Schema. Es gibt ja auch keinen Grund, etwas zu verändern, schließlich ist Hitzfeld nach wie vor ein sehr erfolgreicher Trainer und steht mit Bayern nach der Vorrunde an der Tabellenspitze. Doch nur erfolgreicher Fussball reicht den Münchenern wohl nicht mehr. Klinsmann ist ein junger, ehrgeiziger Trainer, der mit modernsten Methoden versucht, sein Training auf das ihm unmittelbar untergeordnete Spielermaterial abzustimmen. Für viele mag das vielleicht etwas polemisch klingen, aber hätte sich der DFB 2004 für einen anderen Nationaltrainer entschieden, wäre der deutsche Fussball jetzt nicht dort, wo er jetzt steht. Mit seinen lange Zeit belächelten und teilweise auf das übelste beschimpfte Trainingsmethoden legte „Klinsi“ im Endeffekt einen Grundstein für eine positive Entwicklung, die in anderen Ländern schon seit langer Zeit greifen. Klar, dass er das beim Nationalteam erfolgreiche Konzept auch mit zum FC Bayern bringt, ein Team von „internationalen Spezialisten“ wird den neuen Trainer ab Juli umgeben.

Ich bin mir relativ sicher, dass Klinsmann auch bei den Bayern Erfolg haben wird. Einige Skeptiker, die mit süffisanten Fragen nach der Flugrechnung bereits im Vorfeld alte Geschichten aufwühlen, werden sich noch wundern! Jürgen Klinsmann weiß ganz genau, worauf er sich eingelassen hat und wird diese Aufgabe mit der angemessen Ernsthaftigkeit angehen. Etwas verwunderlich ist, dass bei Klinsmann wie bei keinem anderen Trainer in der Bundesliga-Geschichte zuvor die Frage nach dem Co-Trainer dermaßen intensiv diskutiert wird. Ist das nur ein Teil der entgegengebrachten Skepsis oder war der Anteil am Erfolg der Nationalmannschaft von Joachim Löw wirklich so groß? Egal wer der Assistent wird, Klinsmanns Fähigkeiten als Motivator stehen nicht in Frage. Ab Juli wird ein neuer Wind an der Säbener Straße wehen. Alte Strukturen werden aufgebrochen, neue Akzente gesetzt. Die wohl größte Revolution beim FC Bayern seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar die allererste!

Man kann sich aber die berechtigte Frage stellen, ob das „Projekt Klinsmann“ nur auf zwei Jahre beschränkt ist. Das ist nämlich die Vertragslaufzeit des neuen Übungsleiters. Schon auf dem Posten des Nationaltrainers beendete er seine Arbeit nach im Endeffekt sehr erfolgreichen zwei Jahren. Da Klinsmanns Arbeit in großen Stücken auf seinen motivatorischen Fähigkeiten beruht, wird er über einen längeren Zeitraum sicher nicht nachdenken, zumal das im Vereinsfussball ohnehin fatal ist, wenn man nicht gerade bei Werder Bremen arbeitet. Klinsmann ist einer, der immer neue Ziele braucht. Jetzt hat er mit dem FC Bayern eine nächste, riesengroße Herausforderung. Ich bezweifle aber, ob er über den Zeitraum von 24 Monaten hinaus in München arbeiten wird. Doch dann wäre zumindest der Anstoß zu gravierenden Änderungen vollzogen und die Bayern-Bosse hätten ein Ziel erreicht: Kurzfristiger Erfolg!

Eine erste Neuverpflichtung, ohne Einfluss von Jürgen Klinsmann, steht schon fest: Tim Borowski kommt nach München. Ablösefrei wechselt der Mittelfeldspieler von Werder Bremen, wo er zuletzt aufgrund von Verletzungen etwas durch das Raster gefallen war. Borowski ist ein sehr geradliniger Mensch, der sich gar keine Mühe gibt, schlechte Laune zu verbergen, weshalb er auch an der Weser schon mit einigen Personen in Konflikt geraten ist. Borowski war unter Klinsmann im Nationalteam erste Alternative zu Michael Ballack, ich glaube, sein neuer Trainer hält große Stücke auf ihn. Und auch so vergrößert er das heftige Mittelfeldangebot, womit die Luft wird Bastian Schweinsteiger jetzt ganz dünn wird!

Uns stehen ab Juli sicher spannende zwei Jahre mit Jürgen Klinsmann als Bayern-Trainer bevor. Er mag polarisieren, aber er ist sicher die erhoffte „große Lösung“ für den FCB.